Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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und. die unter dem Namen Haggada, *Sagen* Verkündigung“ bekannte Liturgie verdankt Ursprung und Namen der Vorschrift der Tora : *Und Du sollst verkünden an diesem Tage deinem Sohne“ . . . (Exod. 13, 8). In späterer Zeit nahm man sogar an, dass manche bereits auffallende Zeremonie lediglich deswegen eingesetzt worden sei, damit den hierüber verwunderten Kindern Anlass zum Fragen, und somit dem Vater Gelegenheit zum Antworten gegeben werde, nur passt hierbei nicht immer die Antwort zur Frage. Mit einer solchen Annahme begründete man den eben erwähnten Brauch, vor der Mahlzeit Salat in חרוסת, zu tunken und, indem es hiernach lediglich auf das den Kindern auffallende Eintauchen abgesehen seih sollte, zog man dem Salat andere Kräuter vor, wie man gewöhnlich dafür ״ כרפסPetersilie“ nimmt. Denn nichts dürfte tiefer auf das kindliche Gemüt wirken als ein heiteres, religiöses Familienfest, wobei das Kind sich herzlich freut, aber zugleich einen höheren Gedanken ahnt, heilige Gefühle empfindet. Zur Erhöhung der Fest- und Familienfreude wurden auch einst am Festtage die einzelnen Familienglieder beschenkt, und es wäre wohl noch jetzt angemessen, diese Sitte zu beachten. Nach Beendigung des Voressens wurde zur eigentlichen Mahlzeit das ganze Pesachlamm gebraten aufgetragen, bei grösserer Gesell- Schaft noch Festopferfleisch, ״Chagiga“,, ungesäuertes Brot *מצה“ und zum zweiten Mal Salat als מרור samt der dazu gehörigen חרוסת. Nach der Zerstörung des Tempels wurden anstatt Pesach und Chagiga zwei Gerichte ״תבשילי[״ vorgesetzt, wie überhaupt zu jeder Mahlzeit mindestens zwei Gerichte gehört zu haben scheinen, weswegen man auch bei der letzten Mahlzeit vor dem Fasttage des 9. Ab zum Zeichen der Trauer nicht, wie sonst, zwei Gerichte gemessen soll, und für den Sabbat, dem ein Festtag unmittelbar vorangeht, man schon am Donneistag zwei Gerichte als ]עירובי תבשילי vorzubereiten hat. Wir pflegen jetzt zur Erinnerung daran symbolisch ein gebratenes Ei und ein Stückchen gebratenes Fleisch an einem Knochen, ״ זרועArm“ genannt, weil man es gewöhnlich vom Arme, von der Schulter nahm — auf den Tisch, oder die ״Sederschüssel“, zu legen. Von diesen vorschriftsmässigen Speisen מרור, מצד» פסח sollte aber nichts eher gekostet werden, als bis ihre Bedeutung besprochen würde; und man schenkte jetzt den zweiten Becher ein, um ihn nach Beendigung dieser feierlich religiösen Unterhaltung über die Befreiung aus Aegypten (wie vielleicht überhaupt über das wunderbare Walten der göttlichen Vorsehung über die Geschichte Israels) zu leeren. Begabte Kinder mochten nun von selbst nach der Bedeutung der Festriten gefragt haben; geschah es nicht, so sollten sie vom Vater darauf aufmerksam gemacht werden. Dass man aber damals schon