Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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…/2720904-2721009--12-2725131- Visual Library
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— 12 — Heiligkeit des Tages, verkündet, das Fest begrüsst, um dessen willen das Mahl feierjich veranstaltet wurde; Denn selbst die Vornehmsten, die sonst nicht, wie die übrige Bevölkerung, am Abend, sondern zwischen 3 und 4 Uhr zu speisen pflegten, sollten an diesem Tage, wie überhaupt beim Eintritte der Sabbate und Festeszeiten erst Abends das Mahl nehmen. Am Ausgange der Sabbate und Festtage hingegen pflegte man allgemein kurz vor Abend das Mahl zu nehmen, als סעודה שלישית die dritte Mahlzeit — sonst nämlich speiste man gewöhnlich nur zwei Mal täglich —, so dass man beim Schluss des Mahles, heim Tischgebet, wozu wieder ein Becher Wein gereicht wurde, die ״Habdala“ sprach, den Abschiedsgruss an den Sabbat oder den Festtag richtete. Nach Beendigung des Mahles wurde alsdann das bis dahin entbehrte Licht und aas Im Morgenlande nach Aufhebung der Tafel willkommene Kohlenbecken, mit Spezereien bestreut, hineingetragen, worüber noch zwei Lobsprüche gesagt wurden, erstens : ״Gepriesen seist Du Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Du erschaffen das Licht des Feuers“, das durch des Menschen Geist und Hand künstlich hervorgebrachte Licht, im Gegensätze zu dem Tageslichte, wofür täglich ״ יוצר המאורותder Schöpfer der Lichtkörper“ gepriesen wird, und zweitens, gepriesen seist Du . . . der Du (nächst den schmackhaften Speisen) auch Wohlgerüche erschaffen. Nach dem Weine pflegte man zum Voressen פרפרת verschiedene, die Esslust und die Verdauung befördernde Speisen aufzutragen, wie gesalzene Fische, Eier, namentlich aber Salat חזרת, der als die beliebteste Art der Bitterkräuter, מלוד, an diesem Abend ausnahmsweise noch einmal auf die Tafel kommen sollte. Den Salat, wie auch andere Kräuter, pflegte man damals in eine aus mehreren Ingredienzien, wie aus gestossenen oder geriebenen Feigen, Datteln, Äpfeln, Mandeln, Nüssen, Zimmt und anderen Gewürzarten bestehende, mit Wein oder Weinessig kompakt und lehmartig zubereitete, pikant und säuerlich schmeckende Mischung zu tauchen, die חלופת genannt wurde — nicht unwahrscheinlich von חרם Ton, Lehm — und es ist daher erklärlich, wie man nachher hierin eine symbolische Beziehung zur Arbeit in Lehm finden konnte, die unsere Vorfahren in Ägypten leisten mussten. Sonst wurde zu dieser Mischung noch Mehl hinzugenommen, was für Pesäch um der ״Säuerung“, des חמץ, willen unterbleiben musste. Eine solche Art zu geniessen nannte man schlechtweg טיבול, das ״Eintauchen“. Bei den Vorgerichten sollte man aber nicht lange verweilen, damit nicht die Kinder, die man auch durch Nüsse ״ und gebrannte Ähren wach zu halten suchte, inzwischen einschlafen. War es doch beim PeSachfeste vorzugsweise auf die religiöse Belehrung und Erziehung der Kinder abgesehen