Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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öffentlichen Abend-Gattesdienst in den Synagogen abgehalten hätte, lässt sieh nicht nach weisen, obschon die Tos. und der jer. Talro. einen solchen kennen. Ein grösserer Kreis von Verwandten *u!1d Freunden, deren Zahl schon früher festgesetzt sein musste, hatte sich eingefunden. — Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Arme hierzu eingeladen wurden; in talmudischer Zeit wurde den Armen Weizen zu den ungesäuerten Festbroten verabreicht, später auch Mehl oder Mazzoth-Brote selbst und R. Mat., Gaon in Pumbedita ums Jahr 860, berichtet, dass man früher nach einer Stelle im Talmud bei offenen Türen die Bedürftigen zum Pesachabend eingeladen hätte mit den Worten: ♦ ♦ ♦ ״ האלחמאעניאDas ist das Brot der Armut, jeder Bedürftige komme und geniesse es mit“, welcher Brauch auch später, bis auf unsere Tage beibehalten wurde. Nur hätte man sonach diese Worte bald zu Anfang noch vor Kiddusch sprechen sollen. Drei niedrige, mit mehreren Polsterkissen versehene Sofas, ״ מטותBetten“ genannt, vor die dann kleine Tischchen gestellt wurden, waren an den drei Seiten des Zimmers angebracht, indess die vierte Seite für die Bedienung zum Aufträgen der Speisen frei blieb. Der erste Platz auf dem mittleren Sofa wurde dem Ehrwürdigsten in der Gesellschaft angewiesen, der wahrscheinlich auch, wie man zu sagen pflegt, ״den Seder gab“, die Ritualordnung leitete, oder, nach talmudischem Sprachgebrauch: ״die Haggada sagte“; die übrigen Tischgenossen begaben sich nach einer bestimmten Rangordnung auf die anderen Plätze, auf denen man nach der freien Griechen und Römer Art, mit dem linken Arm auf das Polster gestützt, um die rechte Hand frei bewegen zu können, bei Tafel angelehnt lag; Frauen und Kinder hingegen sassen bei Tisch. Eine solche Tafelordnung, die sonst wohl nur in vornehmen jüdischen Häusern oder bei besonderen Festlichkeiten stattfand, be־ zeichnete man mit dem Ausdruck ״ הסבהUmringung, rings herum liegen“, und die Mischna bemerkt, dass an dem Pesachabend auch die Dürftigsten in Israel nicht anders als in der erwähnten Weise bei der Tafel angelehnt liegen sollen, zum Zeichen der Würde und Freiheit. Zunächst wurde nun Wasser zum Händewaschen gereicht, welche hübsche Sitte, vor und nach 4er Mahlzeit die Hände zu waschen, wohl bei vielen gebildeten Völkern des Altertums verbreitet war, zumal man damals ohne Messer und Gabel ass und auch das Brot nicht schnitt, sondern brach. Hierauf wurde das Mahl, oder richtiger der Vortisch, mit einem Becher gemischten Weines, gewöhnlich bestehend aus zwei Teilen Wasser und einem Teile Wein, eingeleitet, und bei diesem Becher, womit eben die Tafel begann, wurde der Kiddusch, die