Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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10 gegenseitig als חברים Freunde und Genossen anerkennen sollen. Diese Worte wurden später anderweitig verwertet und bilden bekanntlich das Motto für die All. Isr. Univ. Am Rüsttage zum Feste, dem 14. Nisan, den man als einen Halbfeiertag beging, wurde jede schwere Arbeit gemieden, und, nachdem man noch im Laufe des Vormittags vor der für die Veranstaltung des Pesachopfers festgesetzten Zeit alles ״Gesäuerte“ vernichtet hatte, schritt man Nachmittags, gewöhnlich um 3 2/י Uhr, nach der Mincha zur Darbringung des Pesachopfers. Eine nähere Beschreibung hiervon während des Bestehens des ersten Tempels unter der Regierung der Könige Ezechia und Josia findet sich in der Bibel; für die Zeit des zweiten Tempels besitzen wir hierüber, von sonstigen Notizen abgesehen, einen kurzen Bericht in der Mischna. Hiernach wurden die Pesachopfer in drei Abteilungen dargebracht, indem der Tempelvorhof nicht die Zahl aller Opfernden gleichzeitig fassen konnte. Nach einer Mitteilung des Josephus, mit der auch talmud. Quellen im ganzen übereinstimmen, sollen einmal behufs einer auf Veranlassung des Statthalters von Syrien, Namens Cestius Gallus, vorzunehmenden ungefähren Volkszählung, wahrscheinlich um’s Jahr 65 n. üb. Zr., also kurz vor dem Ausbruche des Jüdischen Krieges“, die geopferten Pesachlämmer gezählt worden sein, wobei sich nach der gewöhnlichen Leseart die Zahl von 256,500 Opferlämmern ergeben hätte; nun kamen auf jedes Lamm mindestens 10 Personen, öfter aber sogar 20, so dass damals gegen 3 MiUionen in Jerusalem anwesend gewesen sein müssen. Es kann uns hiernach nicht befremden, wenn man es als ein Wunder ansah, dass so viele in Jerusalem ihr Unterkommen fanden, ohne sich über Mangel an Raum und Bequemlichkeit nur zu beklagen. So nun die erste Abteilung den Tempelvorhof gefüllt hatte,wurden dessen Tore geschlossen, worauf der Trompetenschall ertönte zum Zeichen, dass man mit dem Opfern beginnen möge. In Reihen waren die Priester aufgestellt, um die goldenen und silbernen Opferschalen schnell einander zuzureichen, und die Levitenchöre stimmten den Hallel-Gesangan, begleitet von den sanften, schmelzenden Tönen der bei den Juden beliebten Flöte und dem Choräle der Gemeinde. Nachdem nun auch die zweite und dritte Abteilung in gleicher Weise die Opfer dargebracht hatte, die Passahlämmer gebraten — die beweglichen tönernen Öfen hierzu wurden wohl von der Tempelverwaltung zur Verfügung gestellt — und die noch sonstigen Vorbereitungen getroffen worden waren, neigte sich bereits die Sonne ihrem Untergange zu, und als es Abend geworden, begab man sich zum Mahle. Dass man damals vor der Mahlzeit einen