Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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— 9 — mit einem halben Sekel, etwa l*/4 Mark, zu entrichten, nachdem 14 Tage vorher eine öffentliche Aufforderung hierzu ergangen^ und in den Synagogen der entsprechende Abschnitt aus der Tora (Ex. 30, 11—16) verlesen worden war. Ebenso wurde gewöhnlich an dem auf das Purimfest folgenden Sabbat die Parascha, der Abschnitt ״Para“ (Num. C. 19) verlesen, um an die für das Pesachopfer vorzunehmende levitische Reinigung zu erinnern. Acht Tage darauf wurde wieder der Abschnitt Exod. C. 12 verlesen, um den Eintritt des Monats Nisan zu verkünden und an die Vorbereitungen für das kommende Fest zu ermahnen. Zur Erinnerung daran werden noch jetzt die genannten Abschnitte an den angegebenen Sabbaten in den Synagogen verlesen. Einige Wochen vor dem Feste wurden auch die näheren halachischen Bestimmungen über dasselbe in den Lehrhäusern erörtert, und in späterer Zeit wurden an dem dem Feste vorangehenden Sabbat in der Synagoge, die oft zugleich als Lehrhaus diente und ״die Schule“ genannt wurde, die Vorschriften über die allgemein üblichen Festriten durch Pijut und Vortrag besprochen; dieser Sabbat heisst in nachtalmudischer Zeit שבת הגדול ״der grosse Sabbat“, sowie auch der Sonnabend vor Ostern in dem Ritual der Kirchenväter (nach Zunz) der grosse Sabbat genannt wird. Die Festzeit rückte immer näher heran, auf den Feldern wogte bereits hier und da die reifende Saat, von Frühlingslüften durchweht, und die Strassen Palästinas füllten sich mit frommen Pilger״ scharen, die von nah und fern, wie wahrscheinlich von Kleinasien, Alexandrien, Cyrene, Syrien und Babylonien Haus und Habe verlassend mit vertrauungsvoll sorglosem, gehobenem Sinn, gemeinschaftlich hinaufzogen nach Zijon, nach dem Tempelberge des Heim In Jerusalem wurden inzwischen die nötigen Anstalten getroffen, um die zahlreichen auswärtigen Brüder unentgeltlich und gastfreundlich zu empfangen und zu bewirten. Der Tempel und Altar wurden zum Pesachfeste frisch angestrichen, und der Unterschied zwischen ' den חברים, den religiösen Genossenschaften, die es sich zur Aufgabe gestellt, streng nach den Gesetzen levitischer Reinheit zu leben, und den עמי הארץ, den Unkundigen aus dem Volke, die sonst diese Gesetze weniger beachteten und darum auch in dieser Beziehung für unzuverlässig galten, wurde für die Festzeit zumeist aufgehoben mit dem Bemerken: Jerusalem vereinige בל ישראל חברים ganz Israel zu Genossen. Die zu einem gemeinsamen Zwecke vor Gott Versammelten, mögen sie sonst in einzelnen Punkten noch so sehr von einander abweichen, haben bereits dadurch, dass sie sich gemeinschaftlich vor Gott vereint haben und somit einheitlich fühlen und denken, genugsam ihre Zusammengehörigkeit bekundet, dass, sie sich