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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1904-01-01 · 1904 · page 9

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721009--08-2725127
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8 * Sinai, erhalten, sondern damit es diese hohe Lehre empfange, wurde es frei und selbständig, und die Erlösung Israels hat darum mehr einen sittlich־religiösen, als einen politisch-nationalen Charakter. Das zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten eingesetzte Pesachfest konnte darum auch das israelitische Staatswesen überdauern, und wir feiern es noch heute nach Jahrtausenden unter den verschiedensten Völkern auf den verschiedensten Punkten der Erde. Es ist eine der merkwürdigsten Erscheinungen im Geschichtsleben Israels, dass es bei allem Wechsel der religiösen Formen, wie er durch die veränderten Zeit- und Raumverhältnisse, durch die Umgestaltung der häuslichen und öffentlichen Einrichtungen, besonders aber durch den Verlust der politischen Unabhängigkeit notgedrungen herbeigeführt werden musste, dennoch ihren eigentlichen Sinn, ihren Kern festzuhalten wusste und zuweilen auch fast unbewusst, von innerem Drange getrieben, neue Formen schuf, in denen der alte Geist in verjüngter Gestalt mächtig und klar hervortrat und nachhaltig wirkte. Israel blieb immer im stetigen Zusammenhänge mit seiner Geschichte, und so begehen wir noch heute mit dankerfülltem Herzen das Schabuoth —, das Wochenfest ohne Omer und Erstlingsfrüchte, in seliger Zerknirschung das Versöhnungsfest ohne die vorgeschriebenen Sühnopfer, indem wir nicht etwa mit dem Symbole die Idee aufgegeben, sondern ein Symbol durch das andere zu ersetzen gesucht haben, und wir feiern noch heute in heiterer Andacht das Pesachfest ohne Pesachopfer und, wenn auch nicht mehr ganz in derselben Weise, so doch immer in derselben Gesinnung, mit derselben Weihe. Schon die Vorkehrungen zum Pesachfeste wurden in früherer Zeit, als der Tempel zu Jerusalem bestand, in einer anderen Weise, als jetzt, getroffen. Wir feiern dieses Fest in der eigenen Behausung und überlassen die Vorbereitungen zu demselben zumeist unseren frommen Hausfrauen, die hierin oft unsere Erwartungen und Vor- Schriften zu übertreffen pflegen; damals aber sollte dieses Fest als Wallfahrtsfest in Jerusalem veranstaltet Werden, und man schickte sich frühzeitig, womöglich mit der ganzen Familie, zur Reise an. Bald nach dem Purimfeste, am 15. Adar, wurden daher während des Bestehens des zweiten Tempels, welche Zeit insofern hier besonders in Betracht kommt, als aus ihr vorzugsweise unsere jetzigen Bräuche und Einrichtungen sich gestalteten, seitens der öffentlichen Behörden die während des Winters unwegsam gewordenen Land- Strassen für die Pilger geebnet, wie überhaupt für alle öffentlichen Bedürfnisse Sorge getragen. Gleichzeitig wurde Gelegenheit gegeben, die jährliche, für alle Steuerpflichtigen gleichmässige Tempelspende

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