Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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XVII Es erübrigt uns noch, Einiges über die Handschriften62) zu bemerken. Die Beschäftigung ־mit der Psychologie Ibn S.’s63) überzeugte mich, dass eine Neuausgabe des Mikrokosmos sich der Mühe lohnen würde. Ich habe für die vorliegende Ausgabe die Münchner Handschrift 65 und von der Hamburger Stadtbibliothek Ms. 53 verglichen64). Ausserdem war Herr Rabbiner Gamerini in Parma so freundlich, die dortige Handschrift 1174 mit der Jellinek’schen Ausgabe, die nach dem Hamburger Codex angefertigt ist, von dieser aber vielfach abweicht, zu vergleichen und die Varianten zu verzeichnen, wofür ich ihm hiermit meinen besten Dank ausspreche. Zu gleichem Danke bin ich Herrn Dr. Doktor in Bruchsal verpflichtet, der so freundlich war, mir die Varianten, die er sich aus Codex Oxford No. 1170 hat anfertigen lassen und die Varianten, die er selbst aus einer Handschrift Kaufmann’s sammelte, mir zur Verfügung zu stellen. Was den Werth der einzelnen Handschriften betrifft, so hat M. sehr viele richtige LAA erhalten, verschlechtert sich jedoch, ungefähr von der Mitte angefangen, in auffälliger Weise Der Münchner Handschrift ein wenig nachstehend, aber dafür gleichmässig, ist Ms Hamburg. H und M sind gar nicht mit einander verwandt. Hingegen stimmt sehr häufig M mit der Handschrift K überein, die im Anfänge und in der Mitte defect ist — die Varianten beginnen bei mir S. 26 — und von der ich nicht weiss, ob sie nicht eine Abschrift des von Steinschneider a. a. O., S. 408, verzeichneten Ms Uri 78 ist. Der Schreiber des Kaufmann’sehen Ms, war offenbar ein Gelehrter, der zuweilen eigenmächtig seine Vorläge emendirte, und die Zuverlässigkeit desselben wird dadurch verständlich. Die Worte וכשיהיו עלולים sind dem Arabischen nachgebildet und bedeuten einfach: wenn die Gegner dies, nämlich das Leben als Beweisgrund geltend machen, dass Gott nicht bedarf, weil er nicht begehrt, dann haben sie ja implicite das Leben Gottes dem Leben anderer Wesen gleichgesetzt, weil sie sonst nicht von der Voraussetzung ausgehen konnten, dass bei ihm, wenn er bedürfte, mit dem Bedürfen ein Begehren verbunden sein müsste, weil bei anderen lebenden Wesen Bedürfen und Begehren unzertrennlich verknüpft seien. 62) Vgl. Steinschneider a. a. O. 63) Ich benütze die Gelegenheit, um ein Versehen in meiner Arbeit, Die Psychologie bei den jüd. Religionsphilosophen, Jahresbericht 1898, S. 35, zu berichtigen. Der Hinweis auf den Jesira-Commentar Saadia ist zu streichen. Da es sich dort offenbar um die im Buche Jesira genannten Seelenthätigkeiten handelt. 64) Ich bezeichne die Handschr. durch die Anfangsbuchstaben: M München, H Hamburg, P Parma, K Kaufmann, O Oxford. Ich freue mich, der Verwaltung der königl. Hof- und Staatsbibliothek München, wie auch der Verwaltung der Hamburger Stadtbibliothek meinen aufrichtigsten Dank aussprechen zu dürfen für die Freundlichkeit, mit der sie mir die Handschriften zur Verfügung stellten.