Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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XI Weit mehr begründet erscheint die Annahme einer Bekanntschaft mit Bachja, woraut zuerst Jellinek (S. VII) hingewiesen hat. Eine Vergleichung zwischen dem dritten Abschnitt des Mikrokosmos mit einzelnen Stellen in den Herzenspflichten offenbart eine gewisse Aehnlichkeit nicht bloss im Gedanken, sondern auch in der Ausdrucksweise41). Hingegen ist gar kein Anhaltspunkt vorhanden für die Behauptung, dass Ibn S. den Cusari Jehuda Halewi’s gekannt und benutzt habe42). Capitel 3. Die Tendenz des Mikrokosmos. Ibn S. verfasste seine Schrift auf Wunsch eines Schülers, der ihn um Aufschluss bat über einzelne Aussprüche der Philosophen betreffend das höchste Gut und die sittliche Vollkommenheit, nach denen jeder Vernunftbegabte streben und die auf Erden so schwer erreichbar sein sollen43). Es mag dies die äussere Veranlassung gewesen sein oder gehört bloss zur Einkleidung, sicherlich hatte Ibn S. die Absicht, einem grösseren Leserkreise zu nützen. Gleich nach den erwähnten Eingangsworten bezeichnet Ibn S. seine Zeit als leerer an Geist als alle vorangegangenen Zeitalter44). Viele, heisst es anderswo, haben vom Juaenthum bloss den Namen und vom Menschen bloss das Aeussere45). Neben diesem herben Urtheil im Allgemeinen werden an anderen Stellen einzelne schädliche Ansichten und Meinungen besonders namhaft gemacht und getadelt. Wir hören von solchen, die sich Gott als Körper vorstellen, die ihn als Licht verehren und von solchen, die selbst dieser Classe nachstehen, weil sie in ihren Gedanken sich gar nicht mit Gott beschäftigen und ganz in ihren weltlichen Interessen aufgehen46). Wie über Gott, haben Viele falsche Vorstellungen über das Jenseits, über Lohn und Strafe47). Bei dieser Gelegenheit erfahren wir, dass Gerechtigkeit nennt, befleissigt haben, ohne Philosophie und Vernunft, worauf es dann im weiteren Verlaufe des Gesprächs heisst: E1<; M 9־sü)v 0ע9ץ; <ptX0aocp7jaav11 xat TüavisXüjc; '/c/.ö־apu3 dmdvTt ob häiuc; dcpixvslcftai äkV r) x<0 <p1X0{j1a9־su 41) Vgl. besonders שער היחוד C. 2, 4 u. 9 (ed Jellinek, S. 43, 46 u. 66) und Mikr., S. 21, 48 u. 49, ferner שער הבחינה C. 2 (ed. Jellinek 97) und Mikr., S.43. 42) Mikr., S. 58 Z. 22, worauf ZDMG. 30, S. 363 hingewiesen wird, hat mit Cusari II, 2 nichts zu schaffen. 43) Mikr., S. 1. 44) Ibid. 45) S. 43 Z. 25, vgl. das. Z. 7 und Lautere Brüder, S 22. 46) S. 44. 47) S. 74.