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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1901-01-01 · 1901 · page 26

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1901
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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— 104 — 1446 *) zur Richtschnur für seinen eigenen sittlichen Lebenswandel gemacht hat. Um dieselbe Zeit, in der Kussiel seine Uhrfehde schwur, hörten die Einfälle der Hussiten auf, die fünfzehn Jahre lang das vormals blühende Land heimgesucht und zur Einöde gemacht hatten. Die kleinen Städte lagen grösstentheils in Asche. Die Dörfer waren ausgeplündert und verheert. Handwerk und Gewerbe lagen völlig darnieder. Nur in den grösseren stark befestigten Städten war der Wohlstand gestiegen, weil die Vermögenden ihre Habe, sobald sie es vermochten, in ihre Mauern geflüchtet hatten * 2)- Dadurch erklärt sich auch die Thatsache, dass trotz der argen Misshandlung immer wieder Juden in Brieg3), Glogau4) und Breslau5) Friedensbriefe heischten und erhielten. So wuchsen die Gemeinden allmählich an, und Breslau besass am Ende der Hussitenkriege eine grössere Anzahl von Juden als vorher6). Zur friedlichen Entwickelung ihrer Institutionen konnte sie freilich nicht gelangen, selbst als endlich der Friede zu Stande gekommen war. König Sigismund überlebte ihn nicht lange7). Aber die Giftsaat des Glaubenshasses, die er ausgestreut hatte, ging in den Tagen seines Enkels blutig auf. 1) Heine m, 463—476. 2) Grünhagen I, 255 ff. 3) Am 23. Mai 1423 erhielt der Jude Salomo für 20 Gld. jährl. Zins von Ludwig II. (IX, 19) die Freiheit, in seinen Städten, wo er will, frei und sicher zu wohnen. 4> Vgl. G. V, 2. 5. 7. 5) Am 27. April 1425 erh. Weisse Franzke (Stobbe Z. VIII, 356, vgl. Gr. I 40), im Jahre 1431 David und Mosche Juden, etwenn Salomon Juden von Brege (das. S. 154. Gr. I, 78. 79 und F. II, 2) Schutzhriefe. Am •8. Juli 1433 wurden diejenigen für Abraham von Münsterberg (Stobbe das. S. 156 ff.) und am 15. September 1434 für Kussiel und seine Angehörigen (Stobbe das. 158, vgl. G. I, 64. 88) erneuert, am 18. November 1446 diejenigen für Abraham, Meyer, Sneman und die anderen Breslauer Juden (Lib. sig., p. 109) auf vier Jahre und im Jahre 1450 (das. p. 122) abermals auf vier Jahre verlängert. 6) Vgl. die Zusammenstellung in Anh. III, Abth. G. Ueber die Steuerfäliigkeit, die um jene Zeit den schlesischen Juden zugetraut wurde, vgl. das Gutachten Nachems von Wien (mitgetheilt von Kerler in der Zeitschr. f. Gesch. der Juden in Deutschi. III, 116; 129). Danach wurden die Juden im Lande Breslauw auf 3000 Gulden (etwa Mainz) und im Sweidenitzer Lande auf 2000 Gulden (= Bamberg, Magdeburg u. s. w.) geschätzt. Es handelte sich um die von Sigismund am 21. März I486 ausgeschriebene Krönungssteuer. 7) Er starb am 9. Decembei; 1437.

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