Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1901-01-01 · 1901 · page 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1901
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2720904-2720969--22-2724899
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

101 Es wäre für den schwer heimgesuchten Greis kaum ein Trost gewesen, wenn er noch mit eigenen Augen gesehen hätte, dass der Bischof mit derselben priesterlichen Milde auch seine nächsten Getreuen1) und seinen eigenen Bruder2) behandelt hat. Er starb nach kurzer Frist3). Da er kinderlos aus dem Leben schied, fiel sein immerhin noch sehr werthvolles Erbe an Kussiel oder Jekuthiel, den Gatten seiner Nichte, der ebenfalls einer angesehenen und reichen, bereits seit einigen Geschlechtern in Schlesien ansässigen Familie4) entstammte. Kussiel sollte nicht lange im ungestörten Besitz seiner Güter sein. In den kriegerischen Zeitläuften gerieth der Breslauer Rath gerade so gut wie sein Bischof in arge Geldverlegenheit. Warum sollte die weltliche Gewalt nicht ebenfalls von ihren Machtmitteln Gebrauch machen? Dass das Unternehmen für sie gefahrvoll werden könnte, war nicht zu befürchten. Dass es aber zweckmässig sei, ergab sich beim ersten Versuch. Als 1433 Abraham von Münsterberg5) nebst seiner Frau Esther6) unter der Bezichtigung, angeblich einige Meineide geschworen und eine Majestätsbeleidigung und einen Holzdiebstahl begangen zu haben, in den Kerker geworfen wurden, verzichtete er ״gutwillig״ auf eine 338 Mark betragende Geldsumme und 40 Mark Zinsen, die er von der Stadt zu fordern hatte, und fügte ״aus freien Stücken“ noch ein Geschenk von 400 Mark hinzu7). Für die geschenkte Summe war Kussiel Mitbürge und kam ף Vgl. Heyne HI, 379ff. Cod. dipl. Sües. XV, 77ff. Selbst Heyne bat ein Wort der Missbilligung über das Verfahren. 2) Heyne IH, 706. Häusler 261: ״Selbst das Domkapitel missbilligte offen diese That“. Vgl. Er misch, Mittel-und Mederschlesien während der königlosen Zeit in Z. XHI, 67. 3) Am 10. April 1426 erklären bereits acht angesehene Juden vor dem Breslauer Rath ״by irem jüdischen rechte, das Czomel. das weip des Juden Chussiel, die rechte Erbin des Juden Ichel de Reichenbach als Tochter Ichels Bruder Nehemia“ sei (Stadtarchiv, Neue Bunde. Or.-Pap.). Der hierbei zuerst genannte Salomo ist offenbar der damalige Rabbiner (Anh. IH. G, I, 91). 4) Vgl. Anhang IH, F. I, 3. 5. Gr. I, 28. 49. 60. 68. 76. 85. Ich nehme an, dass sein Vater ״Behnisch, genannt Kessel,u etwa Beniseh b. Jekuthiel geheissen habe. 5) Da er einen Sohn Isaak (Gr. I, 46) hatte, möchte ich annehmen, dass er mit Abraham בר״י [בן ר׳ יצחל! =] י'׳ץ, dem letzten der Adressaten bei R. Jacob Weil RGA. 152—55, identisch sei. Dann wäre Abr. b. Jeh. mit Abr. von Oppeln zu identificiren. Vgl. Gr. I, 8. 13. 14. 6) G. I, 34. Nach dem Tode des Mannes wurde sie die Frau Abrahams von Oppeln (K. 17b, 1, p. 18a), vgl. G. I, 14. .; . . 7) Vgl. ausführlich bei Stobbe in Z VEH, 156ff. die Verhandlung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.