Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2720904-2720969--18-2724895- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
97 Anschlages gelang. Es scheint, dass die Juden, rechtzeitig ge״ warnt, wenigstens ihr Leben in Sicherheit zu bringen gewusst haben. Zum Glück für die Unglücklichen bewährte sich nämlich auch hier, was sonst für den König charakteristisch und verhängnissvoll war. Es fehlte ihm nie an grossen Gesichtspunkten, und seine Vorsätze und Entwürfe waren in der Regel vortrefflich. Nur blieb die Ausführung meist in den ersten Anfängen stecken. Allmählich mögen die Juden dann wieder, entweder durch neue Versprechungen des Rathes sicher gemacht, oder in der Angst vor den wilden Heerhaufen, die auf allen Landstrassen umherschwärmten, in die Judengasse zurückgekehrt sein. Aber die wenigen Notizen, die uns ein Zufall über die Zwischenfalle erhalten hat, lassen deutlich genug erkennen, wie hart und grausam sie damals behandelt worden sind. Wenn nun auch hin und wieder ein reicher Jude1), der die Mittel und Wege kannte, schon nach vergleichsweise kurzer Frist wieder in den Besitz seines Eigenthums zu kommen wusste, so hatten doch die meisten lange zu warten, bis sie wieder zu einem Theil des Ihrigen gelangten2). Wie hoch die Opfer waren, die sie bringen mussten, wissen wir nicht. Dass es sie aber welche, und zwar keine geringen, kostete, wird nicht bezweifelt werden können. Verhängnisvoller war, dass die territorialen Gewalten nicht einen Augenblick zögerten, in dieselben Bahnen einzulenken, auf denen der Oberlehnsherr ihnen voranging. Das Recept, nach dem Besteuerung der Juden auszudenken“ (Stobbe S. 36)? — Zu Graetzens (VIII3 184) und Grüdemanns (III, 155) Mittheilungen über die hehr. Quellen für die Leiden der Juden während der Hussitenkriege ist noch hinzuzufügen der Hinweis auf den cod. Merzbacher 56, beschrieben in H.-B. IX, S. 85 und auf אגרות שד״ל, H, S. 866. ג) Jekel von Kanth z. B. hatte sie bereits am 21. Mai 1421 zurück (Stobbe in Z. VII, 845), freilich erst, nachdem er dem Rathsherm Nicolaus Rempel 30 ung. Grld. baar in die Hand gegeben hatte (vgl. die Signatur vom 12. November 1423 das. 350 und über Rempel Stadtbuch 117, 1 und Markgraf in Z. XV, 63ff. 77. Vgl. ferner das Schreiben d. d. Ofen, 7. Oct. 14*23 im Stadtarchiv, Neue Funde). Zu Stobbe’s Belegen Z. VH, 346, Anm. 1 ist noch hinzuzufügen das Schreiben Michels von Reichenbach an den Rath aus d. Jahre 1420—21, in welchem er sagt: ״Vomomen habe ich, wy daz ir das meynin genomen h&bit czu euch of das rothaws, alz man dy juden vngenommen hatte czu Breslaw“ und um Herausgabe seiner Habe mit Rücksicht auf den ihm ertheilten Friedensbrief und auf die Ver• Wendung des Bischofs Conrad bittet (Stadtarchiv, Neue Funde, Or. Pap.). 2) Vgl. Stadtarchiv EEE., 19. 25. 26. Stobbe, Z. VIII, 346, Anm. 1 (woselbst Zeile 6 ״Jekel“ zu lesen ist). S. auch SS. rer. Siles. YI, S. 16 f.