Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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96 öffneten den Verbrechern und Landbeschädigern die Gefängnisse und wagten es, etliche Rathsherren an den Pranger zu stellen und zu enthaupten. Dass die Juden dabei ganz unbehelligt blieben, wird man kaum annehmen dürfen, wenngleich die in dieser Zeit überhaupt sehr schweigsamen Chronisten Einzelheiten nicht überliefert haben. Nur über Ungemach, das sie in Löwenberg1) in diesen Tagen erlitten haben, ist uns eine dürftige Notiz erhalten. Aber ein weit härteres Geschick harrte ihrer in Breslau, als endlich nach mehr als Jahresfrist über die Anführer Gericht gehalten wurde. Als nämlich König Sigismund 1420 zur Krönung nach Breslau kam, wurde das harte Urtheil gefällt und sofort an den Uebelthätern vollzogen. Der König wollte den hussitischen Aufwieglern, die sich in Böhmen gegen ihn zum Kampfe rüsteten, an einem Beispiele zeigen, dass er der Mann dazu sei, Zucht und Ordnung im Staate aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig liess er in Breslau das Kreuz gegen die Hussiten predigen und gab den Kriegern, die sich um ihn schaarten, die Losung aus2): Jeden, den sie trafen und der in Wahrheit ein Ketzer sei, an Leib und Gut ״aufzuhalten, zu tilgen und gründlich zu verderben״, wie sich den Ketzern gebührt; das Gut eines solchen dürften sie ohne Weiteres an sich nehmen. Er selbst ging ihnen sogleich mit gutem Beispiel, wenigstens den Ungläubigen gegenüber, voran. Im Frühjahr 1420 befahl er, die Juden zu fangen und alle ihre Habe mit Beschlag zu belegen und auf das Rathhaus zu bringen3). Nur der zweite Theil des ג) Berge mann, Löwenberg S. 602. Die Gemeinde bestand übrigens noch bis 1458. Erfreulich waren die dortigen Zustände allerdings nicht, wie die Mittheiiungen in den EGA. Isr. Bruna No. 264—65 (vgl. EGA. J. Weil No. 87 und Anh. IH, G. VIII, 4. 5. 6. 7), erkennen lassen. Der Vorfall ereignete sich vermuthlich erst einige Jahrzehnte später, wie ich wegen des mangelnden Hinweises auf Schweidnitz, woselbst die Löwenberger Juden Recht nehmen hatten (vgl. oben S. 71 und 72, No. 2), annehmen möchte. 2) Grünhagen, Hussitenkämpfe der Schlesier, S. 92, vgl. 278ff. Gesch. Schl. I, 285 und die Abhandlung über den Reichstag zu Breslau im Jahre 1420 in den Abhandl. der schles. Gesellsch. f. vaterl. Cnltur, philos.- hist. Abth., Heft H. B) Stobbe in Z. VEU, 346. Markgraf in Z. XV, 87. Grünhagen, Gesch. Schles. I, 227, Anh. S. 81. — In. derselben Zeit und in der gleichen Weise begann das österreichische Martyrium (bei Graetz VIII 3, S. 132, Anm. 1 ist statt ״Pesakim 241“ vielmehr ״EGA. 241“ zu lesen) durch des Königs Eidam, den damaligen Erzherzog Albrecht V. Ob im Einvernehmen mit dem König oder gar auf dessen Anregung, da er bekanntlieh besonders ״erfindungsreich war, um Gründe für eine ausserordentliche