Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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95 wurde, ist nicht überliefert. Uebrigens sind damals auch hier die Juden wenigstens in einem Theile der Stadt1) ansässig geblieben oder schon nach sehr kurzer Frist wieder ansässig geworden. Denn schon 1407 liess sich Herzog Johann (II, 27) herbei, dem Rath, der eifersüchtig auf seinen überkommenen Rechten2) bestand, eine Schadloserklärung auszustellen, wonach das Stadtrecht■ durch die den Juden soeben zugesagten Freiheiten in keiner Weise beeinträchtigt, und etwaiges Verbrechen oder Unfug der Juden vielmehr nach Stadtrecht gerichtet werden sollte3). Während >nun hier und in Brieg wenigstens Gründe oder Vorwände für die Abneigung der Bürgerschaft gegen die Judenheit angegeben werden, erfahren wir nicht einmal so viel über den Striegauer Judenmord. Der Stadtschreiber begnügte sich hier vielmehr mit der geschäftsmässigen trockenen Notiz, dass der Rath vom Könige mit 400 Mk. gestraft worden sei, weil am 8. März 1401 drei und siebenzig todte Juden, oder man kann auch über' setzen: 73 Juden todt aufgefunden worden sind4). Schwere Zeiten gingen inzwischen auch über die Breslauer Judenschaft dahin. Die inneren Verfassungskämpfe, welche die Rechtssicherheit auf das Tiefste erschütterten, dauerten fort, und der Zwietracht und Zerrüttung innerhalb der Bürgerschaft war kein Ende5). Immer drohender wurde die Spannung zwischen den hadernden Parteien, bis endlich die Volksleidenschaft in dem schrecklichen Aufstand von 1418, dessen Spuren noch heute an einer Thür des Rathhauses sichtbar sind, zu gewaltsamem Ausbruch kam. Jetzt waren alle Bande der Ordnung gelöst. Die Empörer Detail bei Wolff a. a. 0. Die Errichtung einer Frohnleichnams-Kapelle im Jahre 1404 wurde dann mit der Hostienschändung in Verbindung gebracht. Minsberg a. a. 0. aber macht es wahrscheinlich, dass ein geschichtlicher Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen nicht bestanden hat. 0 lieber die Theilung vgl. Wolff a. 0. S. 887,und die sehr ansführliehen Auseinandersetzungen bei Minsberg I, 207ff. 2) Oben S. 18. 3) Minsberg I, 816, 407, No. Ln. Vgl. Anh. III, F. VI, 1. 4) Striegauer Stadtbuch fol 115, mitgetheilt in Z. VI, 877. ״Eodem sub anno (1410)u, heisst es dort, ״proximo sabbato post medium ieiunii (— 8. März) interfecti sunt iudei in Strygonia; puta quod primo inuenti sunt mortui judei 73, pro qua interfeccione ciuitas domino regi 400 marcos grossorum erogavit.“ 5) Stadtbuch S. XXVff. Grünhagen I, 225 ff. Z. XI, 189 und XV, 63 ff.