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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1901-01-01 · 1901 · page 16

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1901
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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94 Damals wurden in Brieg1), angeblich wegen Wuchers, Juden aus der Stadt gejagt. Der Anlass wird gewiss kaum nennenswerth gewesen sein, da der Bestand der Gemeinde, so viel wir sehen können, unversehrt geblieben ist. Schlimmer war ein gleichzeitiges Vorkommniss in Gr.-Glogau.2) Hier tauchte zum ersten Male in Schlesien die Hostienschändungslüge auf. Demselben abergläubischen Wahn wie die Blutlüge entsprungen, dass die Juden angeblich ein boshaftes Vergnügen darin fänden, Jesu Kreuzigung zu verspotten, hat sie vom Ende des dreizehnten Jahrhunderts an Tausenden unschuldiger Glaubenszeugen Tod und Verderben gebracht3). Im letzten Grunde war das Märchen, wie bereits vor einem halben Jahrhundert klar und überzeugend dargelegt ist4), nur eines der mannichfachen Mittel, mit deren Hilfe in den Gläubigen durch Erweckung des Abscheues vor dem Umgang mit Ketzern und Ungläubigen ächt christlicher Geist hervorgerufen und gestärkt werden sollte. Die frommen Glogauer, die den angeblichen Frevel entdeckten, stürzten sich nicht einmal in die Unkosten, der Darstellung der Unthat eine neue Seite abzugewinnen. Das uns erhaltene Protokoll über das Ereigniss, welches die wahnwitzigsten Dinge enthält5), ist nachgewiesenerMaassen6) einfach ein Plagiat der Dar- Stellung von einem ähnlichen Vorgang, der am 4. October 1369 in Brüssel mehreren Juden das Leben gekostet hat. Nur die Namen der Unglücklichen, denen das Verbrechen zur Last gelegt wurde, mögen richtig eingetragen sein. Die Juden Jacob und Pessach Rothbart mussten am 3. April 1401 vor dem Brostauer Thore den Scheiterhaufen besteigen7). Wie die christlichen Diebin bestraft ו) Schönwälder III, 364. 2) Die Quellen sind die Ann. G-logovienses (Ss. rer. Siles. X.), S. 18 und die Angaben bei Wolff (Worbs bei Stobbe, S. 289, ist ein Druckfehler) Bd. 117 d. Schl. Prov. Bl. 377 ff. Minsberg I, 316. Vgl. Bemdt S. 7 Görlieh, Strehlen, 517. 3) In der gesammten jüdischen Litteratur ist bisher auch nicht die leiseste Spur eines Anhaltspunktes für die niederträchtige Verleumdung gefunden worden. Ich erinnere mich nicht einmal, irgendwo in der handschriftlichen oder gedruckten polemischen Litteratur eine zahme oder heftige Auseinandersetzetzung über die Transsubstantiation gelesen zu haben. Das ganze Dogma lag offenbar dem jüdischen Gesichtskreise völlig fern. 4) Ersch und Gruber, Encyclop. Sectio II, Th. 27, S. 78 ff. 5) So urtheilt Stobbe, S. 289, über die von Wolff a. a. 0. mitgetheilten Protokolle. G) Minsberg I, 316. 7) Die Ann. Glog. S. 18 berichten kurz und trocken a. a. 0.: 1401 combusti sunt judei foris oppidum Glogoviae post Pascha (= 3. April). Das weitere

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