Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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93 stellt sich dem rückwärts gewandten Beobachter als eine nahezu ununterbrochene Reihenfolge der schwersten Heimsuchungen und Rechtskränküngen dar, die jemals über unschuldige Menschen hereingebrochen sind. Während dieser ganzen Zeit war hier zu Lande kein Einwohner der Judengasse an keinem Tage sicher, ob er heilen Leibes und Gutes den Abend erleben werde. Dabei war es gleichgiltig, ob gerade in Breslau oder irgend wo anders eine Gewaltthat an einem Juden verübt wurde. Niemand konnte absehen und berechnen, wie verhängnissvoll ein noch so geringfügiger Vorgang für die Gesammtheit werden konnte1). Darum erbebte jedes Herz im Ghetto, wenn eine neue Schreckenskunde eintraf, und es ist erstaunlich genug, dass die unverwüstliche Zähigkeit und Widerstandsfähigkeit unseres Stammes solche wahrhaft grauenvollen Jahre und Jahrzehnte zu überdauern vermocht hat. Schon im Jahre 1401 konnten die schlesischen Juden die Probe auf das Exempel machen, wie sehr ״ane argelist“ — die Wendung kommt nicht weniger als ein halbes Dutzend Mal in dem Brieger Friedensbrief vom Jahre 1398 vor — die Behörden geneigt waren, die schwer erkauften Freiheiten der Juden zu schützen. 169 Gld., womit Benisch sich zufrieden erklärt (Stadtarchiv־ N. 1004). — Im Jahre 1423 schulden die Rathm. von Glogau dem Juden Baruch 12 Mk. Prager Gr. und 30 ung. Goldgulden (Minsberg I, 32<») — Am 27. Januar 1425 verpflichten sich Bürgermeister und Rath von Liegnitz dem Juden Abr. von Strehlen und seinen Genossen 190 Mk. und an demselben Tage dem Juden Jacob von Schweidnitz und seinen Genossen 300 Mk., die sie ihnen schulden, am St. Georgsbezw. am Johannis-Tage zu zahlen. (Schirrmaeher S. 341, 342. No. 506, 557. Vgl. Friedensburg, cod. dipl. Siles. XIII, 70). Im Jahre 1432 leihen die Juden das. zur Befestigung der Stadt u. zur Bewaffnung der Bürger gegen die Hussiten 1000 Gulden, von denen sie 1438 vierhandert, 1443 dreihundert und 1445 den Rest bezahlt erhielten (Sammter I, 404 vgl. bezüglich des Restes Schirrmacher S. 415, Nr. 698). Am 29. April 1439 und 29. August 1446 kommt ein Vergleich zwischen der Stadt Liegnitz und dem Juden Salomon v. Crossen zu Stande, wegen der 150 Mk., für den Liegnitz die Bürgschaft für Herz. Ludwig II. übernommen hat (Sammter, Anh. S. 582, Nr. 296, S. 584, Nr. 310. Schirrmacher, S. 419, Nr. 703). — Im Jahre 1433 schuldete die Stadt Neisse dem Juden Yppo 400 Mk. (St.-A.F. Bresl. IV. 3e), und im Jahre 1440 erkennt sie an, der Jüdin Esther, der Frau des Abr. von Münsterberg, und ihrem Sohne Smoyl tausend Gulden schuldig zu sein(Stobbe inZ.IX, 445). 1j Dass die Juden des 15. Jahrhunderts sich dieses ganz entsetzlichen Zustandes bewusst waren, sieht man deutlich aus gelegentlichen Aeusserungen wie z. B. aus denjenigen des R. Mose Minz, RGA. 47 und des R. Israel Bruna, RGA. 267.