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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1901-01-01 · 1901 · page 12

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1901
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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90 Aber die herrliche Blüthe welkte schnell dahin, als die Stürme der Hussitenkriege über das unglückliche Land dahinrasten. Und dass die fruchtbaren Anregungen, die von hier ausgingen, ausser Stande waren, zunächst in der unmittelbaren Nähe einen gleichen Eifer für die höheren nationalen Studien zu erwecken und zu erhalten, lag ohne Zweifel daran, dass nur hier durch ein glückliches Zusammentreffpn günstiger Umstände ausnahmsweise einmal der jüdischen Ansiedelung wenigstens für einige Jahrzehnte eine ungestörte friedliehe Entwickelung vergönnt war. Ueberdies waren die allermeisten Gemeinden des Landes viel zu gering an Seelenzahl und viel zu beschränkt in ihrer Leistungsfähigkeit, als dass sie an die Lösung anderer als der nächstliegenden Aufgaben hätten denken können. ln Breslau freilich lagen die Verhältnisse im Allgemeinen günstiger. Die ersten Ansiedler, die jetzt hier zum dritten Male das Gemeinwesen begründeten und ordneten, waren gewiss alle־ sammt besonders kapitalkräftige und geschäftskundige Männer, und die Gerechtsame, auf Grund deren der Rath sie aufgenommen hatte, waren zweifellos geeignet, allmählich einen erfreulichen und thatkräftigen Gemeinsinn hervorzurufen und zur Entfaltung zu bringen. In der That war der Wohlstand, wie die masslos erbitterten, wenn auch gewiss einseitig übertriebenen Aeusserungen des frommen und gelehrten Abts Ludolf von Sagan erkennen lassen, in stetiger Zunahme begriffen; ״dick und fett werden sie“, eifert er, ״und machen sich breit und treten den Glauben mit Füssen“1). Allein zu ruhigem oder gar zu behaglichem Genuss der Früchte ihres immerhin gesetzlich geschützten Erwerbes aus den Geschäften mit Fürsten2), geist- *) ״Incrassati, impingwati et dilatati, recaleitare coeperunt fidei“ (Ss. rer. Siles I, 211 ff). Das Ganze ist bekanntlich zwar nur ein Citat ans V. M. 32. 15, aber doch ein recht böse gemeintes. Dass aber die Jnden damals gerade den Glauben mit Füssen traten, glaubte der böse Abt gewiss selber nicht. 2) Die Nachrichten über die Geldgeschäfte aus den Jahren 1890—1420 sind allerdings etwas dürftig. Ich stelle hier nnd in den folgenden drei Noten sogleich das gesammte Material über die Judenschulden bis 1453 zusammen und gebe zugleich einige Nachträge aus dem Jahrzehnt 1380 -1390. Die Herzogin Agnes (IV, 9) schuldete 1384 einem Juden 380 Mk. (Schweidn. Stadtb. Tzschoppe 252), und 1391 übernimmt es moschil jude von olmuncz, ihre sämmtlichen Schulden zu bezahlen (Schweidn. Landbücher, D. [1385 - 13911, S. 116 a). — Herzog Conrad von Oels (III, 2) war 1384 einem einzigen Schweidnitzer Juden 1450 Mk. schuldig (Schmidt, Schweidnitz, I, 113). — Herzog Conrad Senior (III, 7), erhält 1418 eine Schuldurkunde über 86 Mk.

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