Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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89 die Gesammtheit nach aussen hin vertraten und die Anordnungen der Obrigkeit in Empfang zu nehmen und für deren Beobachtung verantwortlich zu sorgen hatten. Sie veranlagten zu den Gemeinde- Steuern und zogen diese ein. Unter ihrer Aufsicht stand das Vermögen der Gemeinde, und sämmtliche Beamte wurden von ihnen angestellt, besoldet und entlassen. Für die Unterweisung der Jugend in den Elementen des religiösen Wissens war gewiss von Anfang an in hinlänglicher Weise Sorge getragen. Umständlicher Veranstaltungen bedurfte es dazu in keiner Weise. Geeignete Lehrkräfte gab es in unserer Gegend damals mehr als je. Die Talmudmeister von Schweidnitz waren in jenen Tagen die gefeiertsten und ihre Lehrvorträge die besuchtesten im ganzen östliehen Deutschland. Die berühmtesten Gelehrten und halachischen Schriftsteller der nächsten Geschlechter brachten einen wesentlichen Theil ihrer Studienzeit in Schweidnitz zu. Schalom von Neustadt1), den die Zeitgenossen in Anlehnung an ein bekanntes Schriftwort (Jes. 9, 5) wegen seines vorbildlichen Lebenswandels und seiner erstaunlichen Gelehrsamkeit bewundernd den ״Friedensfürsten״ oder schlechthin den ״Fürsten2״) nannten, Israel Iss er lein3), dessen Urtheile und Rechtsgutachten von entscheidendem4) Einfluss auf die Gestaltung der halachischen Praxis geblieben sind, und abermals einige Jahrzehnte später Israel von Brünn5), der schon bei Lebzeiten allgemein als eine ״Grösse seines Jahrhunderts״ galt, sassen in Schweidnitz über den Folianten und erwarben, vertieften und erweiterten hier die Kenntnisse, die sie zu Zierden der halachischen Wissenschaft gemacht haben. יצ״ו שהוא עתה מד,"ר“, schreibt sein College Joslin über ihn (L. J. I, 19a). Isserlein batte allerdings auch in Breslau einen Correspondenten. Namens Pinchas. Aber diesen titalirt Isserlein אהובי הח״ר (Pes. 202—4), während er den Schweidnitzer Rabbiner stets אהובי עמיתי oder מהר׳יף nennt. Der Breslauer kann sehr wohl mit Pinchas b. Meir, dem Aussteller der Urkunde vom 3. Mai 1451 (Anh. IV, No. II.) identisch sein. Dieser erlebte die Kata- Strophe von 1453 nicht mehr (vergl. oben S. 88, Anm. 2j. Dass der Breslauer Rabbiner, der zu den Märtyrern des Jahres 1453 gehörte, Pinchas geheissen habe, wie Graetz (VIII3, S. 198; vermuthet, bestätigt sich nicht. Er hiess vielmehr ganz sicher Salomo, vgl. Anh. 1U, S. LVII, No. 91. ג) Jacob Mulin, Minhagim, p. 37 b (ed. Cremona). 2) RGA. Jacob Mulin, No. 76. 156. Isserlein Pes. 240. 259. L. J. II, 2 a (8 .(השר פי׳ מה״ר שלום a. Vergl. über ihn Weiss, Geschichte der Tradition, V, 246. 3) Oben Seite 74. 4) Weiss V, 254 ff. Güdemann III, 23. . 5) Oben S. 75. Vgl. Weiss V 259 ff. Güdemann III, 21.