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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1901-01-01 · 1901 · page 9

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1901
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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87 nunmehr Alles gethan zu haben, um gegen jegliche Gewaltthat gesichert zu sein. Die Armen sollten arg enttäuscht werden. Für kurze Zeit allerdings herrschte eitel Friede. Es war die Schonzeit, die man den Ankömmlingen gönnte, bis es sich der Mühe lohnte, sie zu berauben1). Darum ging es zwei Breslauer Bürgern schlecht, als sie schon 1396 zur Ermordung der neuen jüdischen Ansiedler aufforderten2). Die Juden aber benutzten die Frist, um sich häuslich einzurichten und ihre religiösen Angelegenheiten nach Gebrauch und Herkommen zu ordnen. Wahrscheinlich wurden ihnen die Grundstücke, in denen vor einem Menschenalter die hingemordeten Glaubensbrüder gehaust hatten, zum Wohnort angewiesen3). Wenigstens finden wir sie 1453 in sechzehn Häusern auf der jetzigen Ursulinerinnen-Strasse ansässig4). Die erste Sorge galt der Pflege der Heiligthümer, um derentwillen all das Ungemach mit übermenschlicher Geduld ertragen wurde. Dieselben Räume, in denen zuletzt die frommen Beter sich zur Andacht und zu reli־ giöser Belehrung versammelt hatten5), wurden wiederum als Bet־ und Lehrhaus eingerichtet. Es war das vierte Haus rechter Hand6) ״an der Schmiedebrücke7״), das als Synagoge bezeichnet wird8). Pitschen und Kreuzburg dem Rath zu Liegnitz, dass der Friedensbrief, den Herzog Ludwig dem Juden Oser und seiner Clientei auf zwei Jahre gegeben hat, auch von ihnen gehalten werden soll (Schirrmacher S.298, No. 469). Im Jahre 1435 erfährt man, dass Kussiel in Breslau unter dem Schutze des Königs von Polen stand (Urfehde vom 4. April 1435. Anh. IV, No. I). 1) Ygl. Stobbe S. 15. 189. 2) St.-Arch. Lib. excess. et sign. 1396, fol. 2. Stobbe S. 288. Was ihnen geschah, wird allerdings nicht angegeben. 3) Oben S. 28. 4) Stadtarchiv K. 17 b, Heft 5. 5) Oben S. 31. 57. 6) ״quarta domus recto Synagoga“, [oder sollte ״retro synagogam״, wie ich nachträglich sehe, zu lesen sein?] heisst es Stadtarch. K. 17b, Heft 5, fol. 6a. 7) Das. 4, fol. 3 a lernen wir eine ״Yodynne“ kennen, ״dy hat gesessen czwey hewsser von der yoden schule keyn der Smedebrucke“ und ein ander Mal ist die Rede von der Judenschule (das. fol. 12 b) ״beym steinhawse“. 8) Ob damals oder später wieder mehrere Betstuben, wie in früheren Tagen (S 31. 57) bestanden haben, bezw. ob mit der K. 17 b, 1, fol. 21a erwähnten ״alden schule‘4 dieselbe an der Ecke Schmiedebrücke gelegene oder eine andere gemeint sei, ist bei der Dürftigkeit der Nachrichten schwer zu entscheiden. Wenn man die Höhe des Personalbestandes um 1450 (Anh. S. XLI—LIX) zum Ausgangspunkte nimmt, möchte man allerdings zu der Annahme geneigt sein, dass mehrere Synagogen bestanden haben.

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