Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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84 Jahre lang, und wiederholt versuchte der König, durch seinen Machtspruch die Ordnung wieder herzustellen. Aber eben damals sank König Wenzels Ansehen immer tiefer. Am 20. August 1400 entsetzten ihn die rheinischen Kurfürsten wegen der grausamen und gewaltthätigen Handlungen, die er begangen habe, als einen unnützlichen Entgliederer des Reiches, seiner böhmischen Königswürde, und bald darauf führte ihn sein Bruder Sigismund auf Jahr und Tag gefangen nach Wien. Ueberall wandten sich die Unterthanen schmerzlich enttäuscht von ihm ab, und das schöne Band des Vertrauens, das zu seines Vaters Zeiten die Schlesier mit ihrem Herrscher vereinigt hatte, war nunmehr schnöde zerrissen1). In Oberschlesien herrschte Jahrzehnte lang während der Oppelner Fehde zwischen den Herzogen und dem Breslauer Rath Rohheit und Verwilderung. Von seinem Schlosse aus überfiel Bolko IV. (VI, 22) die vorüberziehenden Waarenzüge der reichen Breslauer Handelsherren, und schon 1405 berechneten die Breslauer ihren Schaden auf die Unsumme von mehr als 13.000 Mark2). Als dann einige Jahre später der Rath auf des Königs Befehl einen Bruder des räuberischen Herzogs, den Bischof Johann von Kujavien (VI, 21), in Breslau gefangen setzte, verfielen die Breslauer abermals der Excommunication und die ganze schlesische Diöcese dem Interdict3). Auch rings in der Nachbarschaft des Landes waltete Unfrieden und Gesetzlosigkeit. Im deutschen Reich lag die Königskrone zerbrochen am Boden. Zwischen Polen und dem deutschen Orden tobte ein wilder Vernichtungskrieg, und in Böhmen und Ungarn hörten die Empörungen gegen die Staatsgewalt nicht auf. Ueberall machten Räuber und Friedensbrecher die Landstrassen unsicher; und aller Orten, namentlich aber hier im Grenzlande, war der öffentliche Wohlstand zusehends im Rückgang begriffen. Dass in diesen bösen Zeitläuften die allgemeine Noth schliesslich über Hass und Vorurtheil den Sieg davon trug, kann nicht Wunder nehmen. Den über alle Massen sorglosen Fürsten und den stolzen Handelsherren blieb zur Abwehr der schweren materiellen Schädigungen, unter denen sie dauernd zu leiden hatten, keine andere Wahl, als ג) Grünhagen I, 209. 2) Die scliier unerschwingliche Höhe der Summe kann man ermessen, wenn man erfährt, dass um jene Zeit der städtische Jahreshaushalt sich ungefähr auf 4500 Mk. Einnahme und 4200 Mk. Ausgabe belief. Markgraf a. a. O., S. XXVI. 3) Grünhagen I, 216 f.