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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1901-01-01 · 1901 · page 5

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1901
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720969--04-2724881
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83 zu lassen. Das eben war das Ergebniss der bewundernswerthen kirchliehen Erziehungskunst, dass die Ziele, welche die Provinzial-Synode vom 9. Februar 1267 im Auge hatte1), jetzt als vollkommen erreicht gelten konnten. Der Masse der Gläubigen erschien der Jude nun nicht mehr als der Anhänger eines gleichgültigen anderen Bekennt־ nisses, sondern als ein durch die eigene Schuld zu ewiger Knechtschaft verdammter Gottesläqgner oder gar als ein von der Vorsehung unstät und flüchtig gemachter, verruchter Gottesmörder2). Jede Störung der öffentlichen Ordnung, jede Erschütterung des wirthschaftlichen Gleichgewichts, jede Erregung des Glaubenseifers war darum geeignet, Angst und Grauen in den Judengassen hervorzurufen. Und keiner dieser Schrecken fehlte in Schlesien zu Beginn des neuen Jahrhunderts. Noch war in Breslau der Pfaffenkrieg in lebendiger Erinnerung, während dessen die Stadt einige Jahre mit Bann und Interdict belegt war3). Gleichzeitig gährte es in der Bürgerschaft. Die mächtig aufstrebenden Zünfte gönnten den ״Geschlechtern“ nicht die Alleinherrschaft im Rathe. Es ging die Meinung, dass die stetig wachsenden drückenden Auflagen nicht immer zum gemeinen Besten verwendet würden. Die täglich zunehmende Unzufriedenheit führte zu Aufläufen und Unruhen, während deren der Rath mehrfach gewaltsam entsetzt wurde. Das dauerte4) 1) Oben S. 10 ff. 2) Die Statuten der Diöeesan-Synode vom Jahre 1446, Abselm. II, No. XV UI, wiederholen von den Verkehrsbeschränknngen zwischen Gläubigen und Ungläubigen nur das Verbot, bei den Juden als Ammen, Dienstboten und Tagelöhner Geld zu verdienen, weil ״es sich nicht geziemt, dass die Kinder der Freien dienstbar seien den Kindern der Magd, da der Tod Christi die Christen frei, Jene aber unfrei gemacht 11atu, und ״weil die treulosen Juden durch eigene Schuld einer ewigen Dienstbarkeit unterworfen sind“ (Heyne a. a. 0., S. 473). Von den übrigen Beschwerden sah die Synode offenbar darum ab, weil sie inzwischen endgültig erledigt waren. Selbst die Hausnachbarschaft der Christen mit den Juden durfte jetzt, nachdem die gesellschaftliche Kluft unüberbrückbar geworden war, geduldet werden. Eine Blumenlese der bitteren Worte, mit denen die Synagoge, die sich nicht bei lebendigem Leibe beerben lassen wollte, der wunderlichen Geschichtsauffassung* der Kirche entgegentrat, hat Zunz (Synagogale Poesie S. 437 bis 455 und Ritus S. 241 f.) zusammengestellt. Selbstverständlich hat die Synag. dann im späteren Mittelalter, als das römische Glaubensgericht sich zum ״Zuchtmeister auch über die jüdischen Flüche und Seufzer“ aufwarf, auch diese harten Worte blutig büssen müssen. 3) Grünhagen I, 207 f. 4) Markgraf, Stadtbuch [= Breslauer Stadtbuch, Cod. dipl. Silesiae, Bd. XI, Breslau, 1882, 4], S. XXII ff. Grünhagen I, 223ff.

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