Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 69)
- Language
- German
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143 6. Kapitel. Präexistenz der Seele und ihre Aufgabe im diesseitigen Leben. Vor ihrem Eintritt in die zeitliche Existenz war die Seele ein Theil der intelligiblen Welt, in die sie nach der Trennung vom Körper zurückkehrt, wenn sie sich von den Schlacken der Sinnlichkeit befreit hat; im entgegengesetzten Falle muss sie die Wanderung durch den Körper aufs Neue antreten165). Die nächste Folge ihrer Verleiblichung ist jedenfalls der Verlust ihrer ursprünglichen Einsicht und Erkenntniss, so dass sie des Lernens und der Wiedererinnerung bedarf, denn die Entfernung von ihrem Ursprünge und die Vereinigung mit dem Körper bewirkt eine momentane Unterbrechung der Einwirkungen der intelligiblen Welt, und die von früher her empfangenen Eindrücke werden in ihr gleichsam verdeckt166). Sie gleicht in dieser Beziehung einem Spiegel, dessen Licht verdunkelt und dessen Wesenheit getrübt wird durch die Verbindung mit einem groben, dunklen Körper167). Darum hat Gott ungefähr dieselbe Bedeutung hat, wie das griechische cpiXta bei Aristoteles, Ethik 1235 b 20, und alle Arten des Verlangens und Begehrens, sowie die dauernde Dis- Position zu denselben bezeichnet, wird von der sinnlichen Begierde behauptet, dass sie das Urtheil der Sinne trübe und Unbeständigkeit und Wankelmuth erzeuge, vgl. Perlenlese, S. 38: תתאוה שותפות העורון. Ihre Herrschaft beruht auf einem Vorwiegen des Blutes in den Mischungsverhältnissen, und sie wird von der heissen Jahreszeit begünstigt (S. 21, 22). Die Trauer oder die Bekümmerniss, welche Kälte und Trockenheit, die Natur der Schwarzgalle, zur organischen Grundlage hat, wird als eine besonders schwer zu heilende Seelenkrankheit bezeichnet. Durch die Steigerung des Affekts im Augenblicke des Eintreffens eines Uebels wird der den Körper belästigende Stoff ausgeschieden und dadurch die Heilung herbeigeführt (S. 26. 27). Ausserdem sei noch kurz hingewiesen auf die Schilderung des Zorns, S. 29, und die Erklärung zu Sprüche 19, 15 (S. 32). 165) Dass Gabirol die mit der Präexistenz zusammenhängende Lehre von der Seelenwanderung (vgl. oben S. 70, A. 137) nicht fremd ist, folgt aus seinen Worten Königskrone: ואם נטמאה תנוד בשצף קצף וחרון ובל ימי טומאתה בדד תשב גולה וסודה. Bei dieser Gelegenheit sei nachträglich bemerkt, dass der Wider- Spruch hinsichtlich Al-Farabis, auf den oben S. 73, A. 142 hingewiesen wurde, bereits von Munk S. 134, A. 3 bemerkt und erörtert wird. 166) F. v, 65 (B. v, 41, s. 331): ..... דע שהנפש ברואה על אמתת הידיעה ובשהתאחדה הנפש בעצם והתערבה עמו ערוב מזינה והתאחדות רחקה מלקבל אותם הרשומים ונסתתרו אותם הרשומים בה, vgi. 11,11 (B.n,6, s.35). Aehniich תורות הנפש, s. 56: והנפש יודעת בל הידיעות קודם דבוקה בנפשות הגופניות וטרחה בהן ושברונה ברמיבת המזג וחולשתו עד שיתחיל האדם להסיר את יינו מעליו ואז תתחיל הנפש לפזר .את העננים ותדרוש אחר מה שנבראה בעבורו ותזכור מה ששבחה ״״) F. V, 65 (B. V, 41, S. 331). 10'