Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
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138 Nach diesen Bemerkungen über das Wesen der Erkenntniss im Allgemeinen und über die verschiedenen Stufen derselben ist noch die Lehre Gabirors über die einzelnen Sinne zu erwähnen. Seine Aeusserungen hierüber in der Lebensquelle sind sehr spärlich, zahlreicher in der Ethik, der wir das Folgende hauptsächlich entnehmen. Gabirol kennt den Unterschied zwischen äusseren und inneren Sinnen und macht von den letzteren einzelne namhaft138). Die Reihe der äusseren Sinne, deren Anzahl er auf eine höchst gezwungene Weise aus einer Bibelstelle herausliest139), eröffnet bei ihm das Gesicht. Es nimmt seiner Würdigkeit und seiner Bedeutung nach den obersten Rang unter den Sinnen ein, und ist, wie Gabirol sich ausdrückt, am Körper das, was die Sonne in der Welt140). Unter allen Sinnen verschafft es dem Menschen die meiste Erkenntniss141). Gabirol folgt der Platonischen Anschauung, wonach הראות אותיותיו ורשומיו תזכור הנפש עניני אותם הרשומים ואמתתם. vgi. Piotin in seiner Polemik gegen die stoische Ansicht in Betreff der Wahrnehmung IV, 6, 2: tov GtUTOV 07] TpÖ“OV 7.7.1 l~? 7.7.07; C OSl VOJU^SIV '(tVS3901־ TOV JJ.SV TUTiOV slvai SV Tip dipt Tivoc 0ü3av 017}p9p(0p1svr}v, olov '(־paap-aiiuv i־j׳YSYp7.p.p.sv0JV hm tov ttjv iptov^v zz'izovrf/.o’ZQC, t7,v jiivTGi ouvo.j1.1v 7.0t t^v T7j<; ^uy/jc 0Ü3L7.V oiov avayvoivai touq tütoü; [touc] sv Ttp oipi Ysypoimsvouc. Auch Falakera, ם' הנפש f. 42b bedient sich des Bildes von der Schrift, aber in anderer Bedeutung, nämlich in Bezug auf die Sinne selber. 138) Ethik, s. 3: החושים הצפונים אשר בטבע הנפש כמו ההרגשה והמחשבה והבינה. Was ההרגשה bedeutet, ist nicht klar. Der von Kaufmann, Die Sinne, S. 38 mitgetheilte arabische Text hat hier das Naturanlage bedeutet. Von Maimuni wird das Wort Moreh III, 17 gebraucht, wo es dem Zusammenhänge nach soviel wie natürliches Gefühl, moralischer Instinct bezeichnet und von Tibbon nicht zutreffend durch השכל wiedergegeben wird, vgl. Munk zur Stelle, S. 127, A. 1. Auffallend bleibt jedoch immerhin der Gebrauch des Wortes bei Gabirol, da er es in demselben Satze nochmals anwendet und zwar im Sinne von יטכע wodurch eine Zweideutigkeit entsteht. Vielleicht ist (= sagacitas) zu lesen. 139) Ethik, daselbst. Die Schriftstelle ist Kohelet 9, 11. 140) Ethik, s. 4: ראש החושים והחשוב שבהם הוא חוש העין מפני שמעלתו מן הגוף במעלת השמש בעולם. Vielleicht steht die Vergleichung des Auges mit der Sonne in Verbindung mit Rep. 508, wo das Auge sonnenhaft genannt wird OpaosioiaTGCTov tojv ׳Tspl tc/.c, <7.».39-7]3stQ opYavojv), mit Sicherheit lässt sich jedoch dies nicht behaupten, da die Bezeichnung dort einen anderen Sinn hat. 141) Das., s. 3: ומה שאמר לא ליודעים חן רצה לזכור על חוש הראות שלא תהיה דעת כי אם בד&רכת עיון בספרים והתמדת הלמוד והגרסא בהם. Auch Plato, Timaeus 47, stellt den Gesichtssinn als Organ der Erkenntniss besonders hoch, aber er hebt nicht wie Gabirol die aus Büchern erworbene Gelehrsamkeit hervor, sondern die aus der Betrachtung der Welt geschöpfte Erkenntniss. Nach Aristoteles, Metaph., Anfang, hingegen verschafft uns zwar der Gesichtssinn die mannigfaltigsten Eindrücke, für die Erkenntniss jedoch ist das Gehör als Organ der Belehrung wichtiger, de sensu 437a 3: auTojv 02 toutojv 7upo; uiv t« dvcrp/aTa 7.p£׳׳.TT<nv 7]