Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
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133 5. Kapitel. Seelenthätigkeiten. Höhere und niedere Erkenntnissfunktionen. Die Sinne im Einzelnen. Zusammenhang der Ethik mit den Sinnen. Alle Erkenntniss wird nach Gabirol durch die Form vermittelt und besteht in einem Einswerden der Form des erkennenden Subjekts mit der Form des erkannten Objekts119). Dies gilt sowohl von der niederen Erkenntnissthätigkeit der Sinne, wie von der höheren des Geistes. Bei der Ersteren findet dies Einswerden zwischen der sinnlichen Form und der Form des Sinnes statt, bei der Letzteren zwischen der intelligiblen Form und der des Geistes120). Diese Einigung vollzieht sich durch eine Art Berührung, welche hinsichtlich der intelligiblen Erkenntniss nicht weiter bestimmt wird121). In Bezug auf die sinnliche Erkenntniss ist zu bemerken, dass Gabirol, der stoischen Auffassung folgend,‘die Wahrnehmung durch einen Abdruck der Form im Sinnesorgan zu Stande kommen lässt122). Was die Erklärung der Erkenntniss als eines Einswerdens Ueber das Gehirn als Centralorgan der Seele vgl. Plotin IV, 3, 23, wo der Grund angegeben ist, weshalb die Alten den Sitz der Seele dorthin verlegten, und wo zugleich bemerkt wird, dass man streng genommen nicht sagen sollte, die Seele sei dort, sondern der Anfang ihrer Wirksamkeit beginne dort. Hinsichtlich des Organs, durch welches die Seelenkraft sich dem ganzen Körper mittheilt, ist der Unterschied zwischen dem hebräischen Auszug und der lat. Uebersetzung hervorzuheben. Letztere hat nervös et lacertos, während es bei Falakera bloss בעצבים heisst. Das entsprechende Wort für lacertos ist vielleicht ausgefallen. Unrichtig schiebt Munk ובעורקים ein, denn dies bezeichnet bei Falakera, wie aus 0' הנפש, f. 16 b zu ersehen ist, die Arterien. Für Muskeln wäre die Bezeichnung עצלים oder auch מיתרים, siehe מגן אברת, f. 57 b, am Platze. 119) v, 13 (B. v, 15, s. 285): מאחר שרייתה הידיעה בהתאחד צורת היודע וצורת הידוע, vgl. B. III, 31, S. 152, wo bemerkt wird, dass man unter dieser Einigung eine unitio spiritualis, nicht corporalis zu verstehen habe. 12יי) v, 22 (B. v, 19, s. 292): ומנין הידיסה השכלית היא התאחדות הצורה נהמושכלת] בשכל וכן המאמר בידימה החושית. 121) v, 2 (b. v, 2, s. 260): ידיטת השכל תהיה בדבקות צורתו בצורת המושכל, und allgemein v, 12 (B. v, 8, s. 271): ומפני זה לא ידבקו הצורות אלא בצורות. Auch nach Aristoteles geht selbst das Denken nur durch ein Einwirken des Gedachten auf den Geist vor sich, und diese Einwirkung wird von ihm als Berührung bezeichnet, vgl. Metaph. XII, 1072b 20. ,22) 11,11 (b. 11,6, s. 36): בי הצורות המוחשות יתטבטו בבלים להדמותם בהם. Diese Anschauung, welche die Sinneswahrnehmung mit dem Abdruck eines Siegelringes in Wachs vergleicht, ist zuerst von Kleanthes ausgesprochen worden, und wir werden derselben auch bei den arabischen Aristotelikern begegnen, was sich leicht daraus erklärt, dass man auf Grund einzelner Stellen auch dem Aristoteles diese Ansicht beilegte, vgl. Freudenthal, über den Begriff des Wortes «pavxaaea bei Aristoteles, S. 21.