Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
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132 Seele an sich vom Körper getrennt, wenn sie auch, ohne ihn zu berühren, mit ihm verbunden ist, in gleicher Weise wie die intelligible Welt von der körperlichen an sich geschieden ist, wenn sie auch, ohne dieselbe zu berühren, mit ihr verbunden ist116). Soviel über die Verbindung von Seele und Körper im Allgemeinen. Hierbei mag nicht unerwähnt bleiben, dass neben den genannten Aeusserungen, die sich der Hauptsache nach auf neuplatonische Quellen zurückführen lassen, vereinzelt auch eine Be- Zeichnung vorkommt, welche die Vereinigung zwischen Seele und Körper in stoischer Weise ausdrückt117). Was das Centralorgan der Seele im Besonderen betrifft, so wird als solches von Gabirol das Gehirn angesehen. Von hier, dem Sitze der Denkseele, verbreitet sich die seelische Kraft vermittels der Nerven durch alle Theile des Körpers und durchdringt denselben, während die Substanz der Seele selbst in sich bleibt, ohne sich auszudehnen und auszubreiten118). 116) 11,29 (b. h, 24, s. 69): וכמו שהנפש מפורקת בעצמה מהגוף והיא דבקה בו מבלתי שתמשש אותו כמו כן העצם הרוחני מפורק בעצמו מגוף העולם והוא מדובק בו מבלתי שימשש אותו. Der Ausdruck מבלתי שתמשש bedeutet, dass die Verbindung nicht durch eine Berührung von Flächen zu denken sei. 117) Diese stoische Anschauung tritt hervor in den Worten V, 65: וכשהתאחדה הנפש בעצם והתערבה עמו ערוב מזיגה והתאחדות, womit die sogenannte totale Mischung gemeint zu sein scheint, bei der die gemischten Theile sich gegenseitig völlig durchdringen, ohne ihre Eigenthümlichkeit aufzugeben. In der lat. Uebers. (V, 41, S. 331) tritt dieser Sinn nicht so scharf hervor. Auffällig ist hierbei lediglich der Umstand, dass Gabirol die stoische Terminologie, der die Anschauung von der Körperlichkeit der Seele zu Grunde liegt, auf seinen eigenen Standpunkt überträgt, im Uebrigen aber findet er sich in Uebereinstimmung mit seiner auch sonst von ihm ausgesprochenen Ansicht, dass die Seele den Körper ganz durchdringe, wie das beispielsweise auch V, 72 (B. V, 43, S. 337) behauptet wird, nur mit dem Unterschiede, dass sich Gabirol dort des Ausdruckes פלוש bedient. Ebenso sagt Plotin IV, 2, 2, die Seele könne nicht in jeder Be- Ziehung untheübar sein, weü in diesem Falle der Körper nicht beseelt wäre, die Seele vielmehr gleichsam wie um ein Centrum um sich selbst gesammelt sein und die Masse des Körpers unbeseelt lassen würde. 118) DI, 10 (B. IU, 52, S. 196) wird die Emanation der Substanzen aus einander, die auf einer Ausstrahlung der Kraft, nicht aber der Substanz beruhen soll, mit der Ausstrahlung des Lichtes aus der Sonne verglichen, die aus sich nicht heraustritt, sondern bloss ihre Kraft ergiesst, ferner: ובמעלת הכה הנפשי המשולח מהכח המדבר שמשכנו במח בעצבים [ובעורקים] בי זה ד,כח מפלש בכל חלקי הנוף מתפשט בו ואע״פ שעצם הנפש בעצמו אינו נמשך ולא מתפשט. Diese Anschauung steht scheinbar im Widerspruch mit der in der vorigen Anmerkung erwähnten Aeusserung Plotin’s, in Wirklichkeit aber deckt sie sich mit derselben, da unter הכח הנפשי nichts Anderes als die vegetative und animalische Seele selber zu verstehen ist, die כה bloss genannt werden im Verhältniss zu Denkseele nach der allgemeinen Lehre Gabirol's über den Substanzbegriff, siehe oben S. 109, A. 66. —