Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
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Wesen und ihre Existenz verdanke102), ohne dass der Ausdruck Thfeil, auf den es hier ankommt, näher bestimmt wird. Auch werden beide mit einander verglichen und gegenübergestellt, und es wird von der Einzelseele gesagt, sie stehe zum Einzelkörper in einem analogen Verhältniss, wie die universelle Seele zum universeilen Körper103). Dass die Einzelseele trotz ihrer Individualisation und Absonderung doch nicht ganz aus ihrem Zusammenhang mit der Allseele losgelöst sei, kann aus der Aeusserung gefolgert werden, dass das Schicksal der Einzelseele an die Ordnung und Leitung des Alls geknüpft sei104). Ausserdem spricht Gabirol in seiner Ethik noch von einem besonderen Einfluss, den die Gestirne auf die Seele ausüben105), ohne dass jedoch hierdurch die Freiheit und die Selbstbestimmung der Seele aufgehoben werde, wie aus dem bei dieser Gelegenheit citirten Ausspruch der Weisen hervorgeht. Dieser Aus- Spruch verlangt, dass der Mensch die Einwirkung der Gestirne auf Der Begriff Theil wird jedoch von Gabirol hier nicht näher bestimmt, obgleich es doch viel darauf ankommt, vgl. Plotin IV, 3, 2, der in seiner Polemik gegen die Ansicht, dass die Einzelseelen Theile der Allseele seien, bemerkt, es müsse in dieser Frage vor Allem festgestellt ,werden, in welchem Sinne man das Wort Theil gebraucht (laoj; 03 031 XaßeTv xo uipo; iv toi; toioutoic ״dj; X3־f3xa1 aacpsaxspov). Vielleicht hat Gabirol durch die Bezeichnung der Seele als untheilbaren Theil dem Missverständniss Vorbeugen wollen, wonach man den Ausdruck Theil im quantitativen Sinne hätte nehmen können, vgl. auch Ibn Ezra, Ps. 22, 23: וטעם יחידתי בעבור היות בל נשמת אדם יחידה מתבודדת עם גופה מנשמת הכל ובהפרדה מגוייתה אז תאםף אל הכל und oben S.32A.57. Was übrigens die Untheilbarkeit der Seele betrifft, so ist nach Plotin IV, 2 die vegetative und animalische Seele als an sich untheilbar, in Bezug auf den Körper aber als theilbar anzusehen, das Letztere, weil sie durch den ganzen Körper verbreitet ist, das Erstere, weil sie in jedem Theile ganz ist. Dabei bemerkt er ausserdem, dass man nicht etwa in dieser Beziehung die Seele den Qualitäten gleichsetzen dürfe, die gleichfalls an sich untheilbar, am Körper aber accidentell theilbar werden. Zwei Stellen, in denen dieser Unterschied hervorgehoben wird (c. 1: 0ü03v yipo; syouaa . . . und weiter unten: äW sax» xo iv ixaaxto acpsaxox;) werden von Müller nicht richtig wiedergegeben. 102) Siehe oben S. 105. 103) III, 42 (B. III, 57, S. 207), siehe weiter unten. 104) ui, 44 (in, 58, s. 209): ואני חושב בי הנהגת הנפש הפרטית נמשכת אחר הנהנת העולם הכללי. Diese Stelle spricht zunächst davon, dass die Seele nicht dem Zusammenhänge mit dem Ganzen entrückt ist, daraus aber ergiebt sich um so mehr, dass sie von der Weltseele, die Prinzip der Leitung ist, nicht gänzlich getrennt ist, vgl. übrigens die Polemik Plotin’s IV, 3, 1 und IV, 3, 15 gegen diejenigen, die zur Unterstützung ihrer Behauptung, dass die Einzelseelen Theile der Allseele seien, sich auf den Ausspruch Plato’s berufen, wonach wir dem Umschwunge des Alls folgen und von diesem abhängig sind. 10°) Ethik, S. 2 wird die Verschiedenheit der Anlagen unter den Menschen zum nicht geringen Theile auf sphärische Einflüsse zurückgeführt. 9^