Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1900-01-01 · 1900 · page 46

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1900
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2720904-2720971--45-2724837
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

120 ^׳1 \־י־׳־־3מזי,-״ד יי.w ׳־>.׳״-_ ^״!-7 " ־* ״> *^ ״־«<■ י ייv ז״^-׳י'1ד0* ״**',#■יי,* י" s.^U'V,׳‘ *•V■ יי, י die Anschauung hervorzuheben, dass die Seele das Organ des discursiven, der Geist hingegen das des intuitiven Denkens, der unmittelbaren Anschauung der Wahrheit sei. Auf derselben Anschauung vom Wesen der Seele und des Geistes beruht die Ansicht, dass der Geist irrthumsfrei, die Seele jedoch den Irrthümern unterworfen sei. Der Geist nämlich, heisst es, erkenne die Wahrheit nicht als etwas Aeusserliches, sondern sei die Wahrheit selbst. Daher erkenne er dieselbe mit unzweifelhafter Gewissheit, weil sie in ihm selbst subsistirt, ohne aus ihm herauszutreten89). Im be- מקצת. Auf den ersten Blick könnte man nun die Stelle vielleicht so verstehen, dass der Geist alle Formen zu gleicher Zeit erkennt, die Seele jedoch nicht, da ihre Erkenntniss darin besteht, von einer Form zur andern zu schreiten, allein der Ausdruck מקצת spricht nicht für diese Auffassung. Es scheint demnach, dass die Stelle in ähnlicher Weise zu verstehen ist, wie IV, 15 (B. IV, 10, S. 231 ff., wo, nebenbei bemerkt, Z. 19 collegit anstatt collegisti zu lesen ist), vgl. über de causis, S. 66. Freilich deutet Gabirol nicht näher an, was das für Formen sind, durch welche sich die Seele vom Geist unterscheidet, doch brauchen wir auf diesen Punkt nicht näher einzugehen, da wir ohne dies, was die Einzelseele und den Einzelintellekt betrifft, uns darauf beschränken müssen, den Unterschied zwischen dem discursiven und intuitiven Denken herauszuheben. Wir erfahren hierbei zugleich, dass Gabirol auch der Weltseele ein discursives Erkennen zuschreibt, während Plotin IV, 4, 12 dasselbe der Weltseele abspricht. Auch in diesem Punkte also reicht die Analogie zwischen der Weltseele und der Einzelseele weiter als bei Plotin, vgl. oben S. 106. Was die einzelnen Ausdrücke betrifft, so bedeutet בקשה nicht Verlangen, wie Munk übersetzt (desir), sondern Ueberlegung und Nachdenken und entspricht dem griechischen C7}tsiv. תם ישלם, wofür es im Lat. perfectione plena heisst, hat vielleicht eine ganz bestimmte technische Bedeutung und ist nicht ganz allgemein zu nehmen. Bei den Lauteren Brüdern nämlich werden die Emanationen nach ihrer Rangordnung aufgezählt und vom Geiste gesagt, er sei bleibend, vollkommen und vollendet (Jw0L^ ,»1‘i ^1ג), der Seele jedoch kämen bloss zwei von diesen Epitheta zu, sie sei SUäb, der ersten Materie schliesslich komme bloss das Attribut ״bleibend“ zu. Es ist mög-!ich, dass תם ושלם in dem Sinne wie צ1*ן bei den Lauteren Brüdern gegebraucht wird, im Gegensätze zur Seele, welche bloss ist. 89) 11,5 (B. 11, 3, s. 29): אם היה עצם השכל יודע לעצמו התחייב שתהא צורת האמת נשואה בעצמו ומפני זה היה השכל מכיר זו הצורה הכרה לא יספק בה מפני היות זו הצורה נשואה בעצמו לא תרחק ממנו. Die Worte ייודע לעצמו, weiche dem arabischen entsprechen (vgl. Monatsschrift 1899, S. 135, wo unsere Stelle theilweise nach dem arabischen Original mitgetheilt ist), können bedeuten: erkennend sich selbst oder erkennend durch sich selbst. Die lat. Uebersetzung hat die Stelle im ersteren Sinne verstanden, cognoscit se ipsam; wir zweifeln, ob mit Recht. Denn allerdings wird das als Eigenthümlichkeit des Geistes angesehen, dass er sich selbst denkt und durch dieses Sichselbstdenken die Wahrheit erkennt, weil er selbst die Wahrheit ist, aber wenn wir auf den Wortlaut bei Gabirol achten, sieht man nicht, wie aus dem Vordersatz der Nachsatz folgt. Es scheint

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.