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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1900-01-01 · 1900 · page 39

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1900
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
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113 Allein diese Ansicht, meint Gabirol, ist, abgesehen von allgemeinen Gründen74), schon darum zu verwerfen, weil sich auf verschiedene Weise darthun lässt, dass die Seele die Erkenntniss des Intelligiblen ursprünglich besitzt und erkennend ist durch sich selbst. Da sie nämlich die eigenthümlichen Merkmale und Formen der Dinge erfasst, so sind sie in ihr potentiell, und sie ist daher erkennend durch sich selbst. Das Nämliche ergiebt sich auch daraus, dass sie die Formen der Dinge in sich selbst, ohne Vermittelung der Sinnes- Werkzeuge erfasst. Des Weiteren wird jene Ansicht widerlegt durch die Thatsache, dass die Menschen ihre Erkenntnisse einander mitzutheilen vermögen, dass sie ferner im Stande sind, sich Wissen anzueignen ohne Unterweisung, dass sie schliesslich ein Vorher wissen der zukünftigen Dinge und die Fähigkeit der Perception und der Wahrnehmung gleich von Geburt besitzen75). Man kann daher nicht jedes hinsichtlich der Seele sich derselben Vergleiche bedient, die uns bei Plotin in Bezug auf die Materie c. 13 begegnen (xx! 7ü2pa7:X׳־;atov *pvs־a1 olov za! dz “0 xctTGTüTpov £vopa־a1 2׳ד dooika und ׳xoioütov ti TiäT/zu oTov za! 6 avjp cp101־alfe׳.c). Auserdem wird c. 15 die Materie mit der Seele verglichen und von den Vor- Stellungen gesprochen, welche durch die Seele hindurchgehen: xo! סד atxiov 05ד jlsvs’.v £יש aur/Jc 1־0 ,סדכסד oüts סד s13!0v a0״Xa:k1 0ידג׳0 י^7דכ au~/j ססד siaiovro*, aXV toa7u2p at oo^ot xai c.l cpav^afat £v <J>uy־ß 0׳j zszper/cai, a/A7 a״st3» ״a7.1v 3/aanrj 6k; ouaa 0 scm ^jlovyj. Es scheint nun, dass hier der Ausgangspunkt zu der von Gabirol erörterten Ansicht zu suchen ist, sei es, dass die Aeusserungen Plotin’s bloss die Anregung gaben zum Aussprechen einer solchen Ansicht, sei es, dass sie in diesem Sinne missverstanden wurden, so dass es sich am Ende bei Gabirol um Bekämpfung einer Plotin fälschlich zugeschriebenen Ansicht handeln würde. Hierbei ist noch zu bemerken, dass Plotin im Zusammenhänge mit seiner Bekämpfung der stoischen Ansicht von der Wahrnehmung auch die Erinnerung nicht auf eine in der Seele zurückbleibende Spur zurückführt. Ebenso wird in der von Gabirol bekämpften Ansicht mit besonderem Nachdruck behauptet, dass die Formen durch die Seele hindurchgehen, ohne einen bleibenden Eindruck zurückzulassen. 74) Zu diesen allgemeinen Gründen gehört, was Gabirol B. III, 39, S. 168 bemerkt. Hätte die Seele keine eigenthümliche Form, so hätte sie auch kein Sein, da das Sein in der Form ist. Ferner würde sie sich auch durch nichts von den anderen Substanzen unterscheiden, da die Differenz in der Form liegt. 75) B. III, 38, S. 166. Die Beweise sind so unbestimmt gehalten, dass man nicht weiss, was sie alle zusammen und was jeder für sich bedeuten soll. Der allgemeine Gedanke wird vielleicht sein, dass die Formen wenigstens potentiell in der Seele vorhanden sein müssen, weil dieselben im entgegengesetzten Falle nicht zur Wirklichkeit in der Seele gelangen könnten und eine Erkenntniss überhaupt nicht möglich wäre, vgl. III, 27 (III, 42, S. 174) und B. III, 39, S. 168, — ein Beweis freilich, gegen den sich sehr Vieles einwenden lässt, da der Begriff der Möglichkeit sehr verschieden aufgefasst werden kann. Was die einzelnen Argumente im Besonderen betrifft, so liegt vielleicht dem Hinweis darauf, dass die Menschen ohne Unterweisung sich Erkenntniss anzueignen im Stande sind, ein ähnlicher Gedanke zu Grunde, wie der Behauptung des Sokrates im Meno, dass man ohne eigentliche

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