Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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•*7״ י k י׳־ ■ י — 112 - werden und, indem sie durch die Sinne und die Vorstellung hindurchgehen, einen Läuterungsprozess durchmachen, sich immer mehr verfeinern und vergeistigen, bevor sie von der Seele aufgenommen werden. Diese hat demnach gar kein ursprüngliches Wissen und keine wesenhaften Formen, sondern besitzt bloss die Fähigkeit, die aus der körperlichen Substanz stammenden Formen durch Vereinigung mit denselben in sich aufzunehmen. Und da die Denkseele in der Mitte steht zwischen der Substanz des Intellekts und den Sinnen, so kommt es, dass ihr die Erkenntniss des Intelligiblen entgleitet, wenn sie sich den Sinnen zuwendet, wie ihr umgekehrt die Erkenntniss des Sinnlichen entgleitet, wenn sie sich dem Intellekt zuwendet, indem beide einander entgegengesetzt sind und die Formen durch die Seele hindurchgehen und auf einander folgen, wie die Erscheinungen am Auge vorüberziehen73). 73) B. m, 37, S. 162 ff., F. III, 27 (B. III, 42, S. 174). An der zweiten Stelle wird die bekämpfte Ansicht im Auszuge Falakera’s als Meinung Vieler bezeichnet: כמו שחשבו רכים. Doch ist darauf kein Gewicht zu legen, denn in der lateinischen Uebersetzung heisst es auch hier: sicut arbitratus es, so dass die Worte כמו שחשבו רבים als eine stilistische Umänderung Falakera’s, die sich durch die verkürzte Wiedergäbe des Originals empfahl, anzusehen sind. Fraglich aber bleibt es gleichwohl, ob es sich um einen selbstgemachten Einwand handelt, der dem Schüler in den Mund gelegt wird, oder um eine Ansicht, die Gabirol irgendwo vorgefunden. Joel, S. 40 verweist auf die Polemik Plotin’s (Enn. IV, 6) gegen die stoische Ansicht, dass die Wahrnehmungen Abdrücke der Formen in der Seele seien, wobei er jedoch irrthümlicher Weise aus dem dritten Kapitel einen Satz hervorhebt (*(,.vdrnsi o j tw ivtCdvsiv u. s. w.), der sich nicht auf die sinnliche, sondern auf die intelligible Erkenntniss bezieht und deshalb nicht hierher gehört. Was die Behauptung an sich betrifft, so ist sie von vornherein darum nicht wahrscheinlich, weil Gabirol selbst, wie wir sehen werden, die Wahrnehmung als einen Abdruck der Form in der Seele bezeichnet. Um das Richtige zu ermitteln, muss man in der von Gabirol bekämpften Ansicht zweierlei unterscheiden. Erstens geht diese Ansicht dahin, dass die Seele ursprünglich gar keine Form besitze und lediglich Materie, Substrat für die Aufnahme der Formen von aussen sei. Zweitens — und darauf wird nicht minder Gewicht gelegt — wird die Behauptung aufgestellt, dass die Seele durch diese Formen gar keine Veränderung erfahre, indem die letzteren durch die Seele lediglich hindurchgehen, ohne in ihr wesenhaft zu sein. Das führt uns auf den Inhalt von Enn. III, 6, wo die Unafficirbarkeit des Unkörper־ liehen behauptet wird, und zwar sowohl der Seele, bei welcher Gelegenheit die stoische Ansicht von den Wahrnehmungen als Abformungen in der Seele bekämpft wird, als auch der Materie, die nach Plotin die Formen bloss reflectirt, an sich jedoch unverändert bleibt. Nun ist es selbstverständlich Plotin keineswegs in den Sinn gekommen, die Seele der Materie gleichzustellen, sondern lediglich von dem Gesichtspunkte aus, dass sie beide nach seiner Ansicht unafficirbar sind, werden sie von ihm zusammengefasst und in demselben Buche behandelt, während sie imUebrigen durchaus verschieden sind. In der von Gabirol erörterten Ansicht wird nun versucht, .die Seele der Materie in jeder Beziehung gleichzusetzen, wobei Gabirol