Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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»׳ז•(׳•־׳.־! י1־י׳'־*',״"ד־ ״ ־״ — Hl — läge, sondern auch i^orm, und zwar eine Form von universellem Charakter, welche die Gesammtheit aller Formen collectiv in sich trägt. Demgemäss kann von der Form der Seele behauptet werden, sie sei ihrer Natur und ihrem Sein nach eine Wesenheit, welche das Wesen aller Formen substantiell in sich vereinigt72). Diese Auffassung wird mit Nachdruck vertheidigt gegen eine sensualistische Ansicht, die dem Schüler in den Mund gelegt wird. Die von Gabirol bekämpfte Ansicht behauptet, dass die Formen der Dinge keineswegs a priori in der Seele sind, sondern von aussen durch die Erfahrung in sie eintreten und durch ihre Wesenheit hindurchgehen, wie das Licht durch die Luft, ohne in ihr dauernd zu sein und ohne ihr Wesen zu verändern. Diese Formen stammen aus der zusammengesetzten Materie, die ihre Umrisse und Gestalten wegen der Feinheit der Seelensubstanz der Seele aufprägt, wenn diese sich mit ihr verbindet, in ähnlicher Weise, wie sich die Formen in den glatten Körpern abspiegeln und durch dieselben hindurchgehen. Näher wird diese Ansicht folgendermassen begründet. Alles Erkennen und Schliessen setzt sich aus einfachen Begriffen zusammen, die in den zehn Kategorien enthalten sind, und demnach sind auch alle Vorstellungen der Seele nur eine Zusammensetzung aus diesen einfachen Begriffen nach den verschiedenen Arten ihrer Verbindung und Trennung. Das Wissen ist daher bloss die Subsistenz dieser Formen in der Seele, die, aus der Substanz der Kategorien stammend, durch die Sinneswahrnehmung der Seele zugeführt 72) 111, 25 (B. ui, 40, s. 170): שצורת הנפש בטבעה והויתה עצם אוסף לעצם כל גצורה אסיפה עצמית vgl. B. HI, 23, S. 132: si sensus est vis colligens formas sensibiles, debet ut anima sit substantia colligens collectionem formarum. Dass die Seele nur darum erkennt, weil sie der Inbegriff aller Dinge sei, lehrt Plotin IV, 6, 3 (Xo־f0^ yccfj s311 xdvxojv). Scheinbar ähnlich wie die Worte GabiroFs klingen gewisse Aeusserungen bei Aristoteles. So z. B. die Behauptung de anima 431b 21, dass die Seele gewissermassen alle Dinge sei: סמן aA337־]xd Ta dvxa votjt«, s'axi 07 יj £7Li3T7ju.7j u.4v xd £7c1a17]xa 7uo>£, 7} 0' a31[397׳s xd a13ö7jxd. Die Aehnlichkeit wird noch auffälliger, wenn Aristoteles an dieser Stelle den Nus stoo<; sto&v und das Wahrnehmungsvermögen sico; a’397jx1uv nennt und 429a 27 die Be* Zeichnung der Seele als xcxoq stowv billigt, mit der Einschränkung: oxi oaxs okrt uklC ri v07]x1 x/j, oüts svxsXr/sta akka oüvdjxs». xd st07]. Bei aller äusseren Ueberein- Stimmung haben jedoch die Worte des Aristoteles einen ganz anderen Sinn als die gleichlautenden Aeusserungen Gabirol’s. Bei Aristoteles ist die Seele darum Alles, weil sie Alles in sich aufnehmen und zu ihrem Inhalt machen kann, bei Gabirol hingegen, weil sie Alles ist, auch wenn sie sich dessen nicht bewusst ist, und die Formen der Dinge in ihr ein ursprüngliches, in den Dingen jedoch bloss ein abgeleitetes Sein haben. Im Uebrigen ist es unter den neueren Erklärern selbst streitig, wie weit Aristoteles in diesem Punkte der Platonischen Anschauung sich nähert, vgl. Zeller (3) 3, S. 193, A. 4, u. S. 196, Siebeck II, S. 58 u. 72. 8*