Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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109 höherem Grade Substanz als der Körper66), dessen gestaltendes und formbildendes Prinzip sie ist67). Mit der Anschauung von ihrer Einfachheit streitet es nicht, wenn sie auf der anderen Seite nach der allgemeinen Ansicht Gabirol’s aus Materie und Form zusammengesetzt ist, denn die Ausdrücke ״einfach״ und ״zusammengesetzt“ sind bloss relative Bezeichnungen. Wie das Zusammengesetzte in einer gewissen Beziehung einfach genannt werden kann, so kann auch das Einfache in einem beschränkten Sinne zusammengesetzt sein68). Was in der Ordnung des Seienden eine höhere Stufe einnimmt, ist einfach im Vergleich zu dem, was nach ihm folgt, während es selbst zusammengesetzt ist im Verhältniss zu dem, was ihm voraufgeht69). Ebenso hebt die Materialität die Fortdauer und Unvergänglichkeit der Seele nicht auf, die nach der Trennung vom Körper in die intelligible Welt zurückkehrt, der sie entstammt70). 60) Das folgt aus dem Substanzbegriff Gabirol’s, vgl. B. III, 52, S. 1%, wo die Frage aufgeworfen wird, ob die abgeleiteten Substanzen überhaupt den Namen Substanz verdienen, da sie lediglich durch eine Ausstrahlung der Kraft, nicht aber der Substanz, entstanden, mithin in Wirklichkeit bloss Kräfte der ersten Substanz sind, worauf die Antwort erfolgt, dass in der That eine Abstufung in dieser Beziehung sich ergebe. Jede Substanz ist im Verhältniss zu der ihr vorangehenden bloss Kraft, im Verhältniss zu der ihr folgenden, deren Ursache sie selber ist, Substanz, so dass entsprechend der Entfernung vom Ursprünge auch die Substantialität abnehme. Auch Plotin V, 3, 12 findet es, wenn auch in einem anderen Zusammenhänge, für nöthig hervorzuheben, dass man unter der ersten Emanation nicht etwas zu verstehen habe, das keine Substanz wäre (ouo’ au toioütov, 010 v |jl7j o’jaeav sTvai). Vgl. ausserdem B. III, 6, S. 91: substantia Simplex ut anima et intelligentia dignior est ad intentionem substantialitatis quam substantia, quae sustinet novem praedicamenta, was nach der obigen Darlegung natürlich auch von der Einzelseele im Vergleich zum Einzelkörper gilt. Auch Plotin IV, 7, 8 hebt den Unterschied zwischen Seele und Körper in Bezug auf die Substantialität hervor und nennt die Seele ovtok; oüat'a, während er vom Körperlichen sagt, es sei immer nur ein Entsehendes und Vergehendes, niemals aber ein wahrhaft Seiendes (ovx«>^ 02 OUOSiCOTS 0'v). 67) Das ist der Sinn der Worte Gabirol’s in der Königskrone: .בי מאש הנשמה נברא הנוף ו־צא מאין ליש. Der Ausdruck מאש ist nicht, wie s. Sachs התחייה I, S. 17 glaubt, wörtlich zu nehmen. G8j iv, 5 (ß. iv, 4, s. 218): ואם אינו נמנע שיהיה המורכב פשוט לא יהיה נמנע שיהיה הפשוט מורכב. Etwas abweichend drückt sich Plotin II, 4, 3 über diesen Punkt aus, indem er sagt, die Zusammensetzung in der intelligiblen Welt sei anderer Art (£־:£ftt>s) als bei den Körpern. 69) Das.: שהמורכב יהיה פשוט למה שהוא שפל ממנו והפשוט אפשר שיהיה מורכב .למה שהוא למעלה ממנו י°) I, 4 (B. I, 8, S. 11); תדע מעלתה והשארותה. Dass jedoch nur die Denkseeie unsterblich sei, ergiebt sich aus Ethik, Anfang: במל נפש מדברת פניניה חכמה קיימת לא תפסד und Königskrone: והנפש החכמה לא תראה מות. In den vorher, gehenden Worten: ויהי המדע יסודה ומל בן לא ישלוט עליה הבליון ותחקים כפי קיום 8