Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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— 108 — Nach diesen allgemeinen Bemerkungen werden wir im Stande sein, die Aussagen GabiroPs, in denen ausdrücklich von der Einzelseele die Rede ist, durch solche Aeusserungen zu ergänzen, die, wenn sie sich auch nicht ausschliesslich auf diese beziehen, doch dem Inhalte nach auch sie einschliessen. Indem wir nun das Wesen der Seele zu bestimmen suchen, heben wir zunächst im An- Schlüsse an die obige Beweisführung Gabirol’s, in der alle Thätigkeiten der Seele unter dem Begriff der Bewegung zusammengefasst werden, eine Aeusserung hervor, die an die Platonische Definition der Seele erinnert. Wie Plato bezeichnet Gabirol die Seele als die sich selbst bewegende Substanz, welche dem Körper die Bewegung mittheilt, selbst aber aus eigener Kraft sich bewegt64). Sie ist eine unsinnliche, geistige, einfache Wesenheit65), und zwar ist sie in Lehre des Anaxagoras vom 707:; ausspricht, de anima 429a 18: averfxrj «pcc, zzz[ 7i«v־a 7031, diuysj siva163 ,.׳zzp ©־yjalv *,Avac0)*2״p7c, i'va 7.pa*qJ tojtq 0* saTiv iva JUOyXlTj’ 7r0p3U<p0.t70U.370y yj.'J XüA’Jcl TO a/J.OTp’.OV yrjx 0CVT'.׳pp«TT3L, 3(«״T3 U.7]0’ ßUTOJ £tvßi <p6a׳y u^os'j-tßv a/j? 7} t׳züt7]v, du 0uv«rov. Daraus erklärt sich der Ausdruck רהחכמיים מסכימים, den Guttm. S. 211, A. 3 auffällig findet; ja .noch mehr, der Ausdruck ist um so beachtenswerter, als sich daraus ergiebt, dass Gabirol im Ganzen sich des Unterschiedes zwischen der neuplatonischen und Aristotelischen Richtung bewusst war, in diesem Punkte aber zwischen ihnen Uebereinstimmung gefunden zu haben glaubt. Ob er freilich die Ansicht des Aristoteles richtig aufgefasst, das ist eine andere Präge, die jedoch für die Erklärung unserer Stelle nicht weiter von Bedeutung ist. 64) B.III, 4, S. 83: anima mobilis est per se non in loco; B. III, 3, S. 79: motus localis est ex anima u. v, 61 (B. v, 38, s. 326): הרצון] ביסוד sci1.] וכשיפלש הנפש ויתפשט בו וישקע בכללו יהיה או בו אותו היסוד חי מתנועע. Wenn auch diese Stellen sich zunächst auf die Weltseele beziehen, so gelten sie dem Sinne nach vom Wesen der Seele überhaupt. Ueber die Seele als sich selbst bewegende Substanz vgl. Phaedrus245 und Plotin IV, 7, 9: dy/jq y).p w'rysojg 03;/־ [seil. rt yoprflryjaa T&tak\0•S y.77!׳p'.V, ßJTTJ 03 3r £ß׳JT7}£ ׳170/־JU.377] *«t £0)7jy Tü> a0)«Xa0 .•:־t0Ü3ß, c'UT/j 03 %ap l'/yjw.. 65) עצם פשוט (substantia Simplex) ist die stehende Bezeichnung für die Seele. Eine nicht sinnliche, geistige Substanz wird sie genannt B. II, 1, S. 25, Z. 15; III, 28, S. 147, Z. 10 und sonst. Vgl. ferner die Bezeichnung עצם דק וחזק «פלש לכל הדברים (B. 1, 8, s, 11, z. 17) und die von Beaumker im Register unter anima 2 angeführten Stellen. Die immer wiederkehrende Betonung der Feinheit und Subtilität der Seele hängt mit der neuplatonischen Anschauung zusammen, dass die Dinge um so stärker sind, je mehr sie der Natur des Sinnlichen und Concreten entgegengesetzt sind, vgl. ausser der oben S. 38, A. 69 angeführten Stelle auch Plot. III, 6, 6. Auch als פניניה (durchsichtig, leuchtend) wird die Seele von Gabirol im Anfänge seiner Ethik bezeichnet, was dem Ausdrucke bei den Lauteren Brüdern (s. oben A. 59) zu entsprechen scheint, vgl. Dukes, Philosophisches aus dem 10. Jahrh״ S, 57, u, Zion II, S. 159; Steinschneider, Al-Farabi, S. 65, A. 9b.