Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
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- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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— 104 - und ihre Grundeigenschaften irgend welche Untersuchungen anstellen. Da aber Gabirol in seinen Beweisen für die Existenz der intelligiblen Prinzipien im dritten Traktat der ״Lebensquelle״ hauptsächlich die universellen Substanzen, die Weltseele und den Weltgeist, in ihrer Bedeutung als metaphysische Prinzipien im Auge hat, so können wir für unseren Zweck lediglich das Wesentlichste aus dem letzten analytischen Beweis52) Gabirol’s herausheben, weil dieser Beweis den Weg von unten nach oben nimmt und zunächst die Existenz der partikulären Substanzen, der individuellen Seele und des individuellen Intellekts, erschliesst und von hier aus zu den universeilen aufsteigt. Abgesehen von kleinen Verschiedenheiten erkennt man in den Grundzügen dieses Beweises das nämliche Verfahren, das auch die jüdischen und arabischen Aristoteliker einschlagen, um die Existenz der Seele darzuthun53). In Kürze lässt sich dieser Beweis dahin zusammenfassen: die Mannigfaltigkeit der Be- Anälytica post., 89b 24 (vgl. Munk S. 110, A. 3) und findet sich auch Plotin, IV, 8, 11. Im Uebrigen bezieht sich die Bemerkung Gabirol’s an Ort und Stelle auf die Weltseele. Ein Schema von neun Fragen wird erwähnt Lautere Brüder (ed. Diet.), S. 242. Es ist daher nicht richtig, wenn Kaufmann (Die Theologie des Bachja ibn Pakuda, S. 35, A. 1) bemerkt, Gabirol spiele auch in der ״Königskrone״ auf die vier Fragen an, nur dass er anstatt des מה, das Wo (?אי) als auf Gott unanwendbar darstelle, und dasselbe sei der Fall bei Josef Ibn Saddik, der wiederum statt des למה das Wann באיזה) einschiebe. Gabirol und Josef Ibn Saddik haben vielmehr an diesen Stellen das Schema der neun Fragen vor Augen, das sich hauptsächlich an die Kategorien anlehnt. Vgl. auch oben S. 97. 52) Es ist der Beweis secundum ordinem resolutionis, wie Gabirol sich ausdrückt; er beginnt B. IV, 43, S. 175. 63) Vgl. Ibn S. a. a. 0. S. 342 und Ibn Daud, Emunah r , S. 20. In dem Beweise für die Existenz der Seele gehen beide von demselben Gedanken wie Gabirol aus, dass nämlich die Körperlichkeit nicht Ursache der Bewegung sein könne, da alle Körper in der Körperlichkeit einander gleich sind, hinsichtlich der Bewegung aber sich unterscheiden, das aber, was zwei Dingen gemeinsam ist, nicht zugleich Ursache ihrer Verschiedenheit sein kann. Nur ist der Beweis bei Gabirol etwas weitläufiger angelegt, weil Gabirol auch die natürliche Bewegung der Elemente mit in den Kreis seiner Betrachtung zieht. Ferner ist es für Gabirol bemerkenswerth, dass er alle Thätigkeiten der Seele unter dem Begriff der Bewegung zusammenfasst, vgl. die Bemerkung des Aristoteles, de anima 404b 27, wonach Einige bei der Erklärung vom Wesen der Seele hauptsächlich von der Fähigkeit derselben, den Körper zu bewegen, Andere von ihrer Eigenthümlichkeit zu erkennen, eine dritte Klasse schliesslich von beiden Momenten zugleich ausging. Da Gabirol den Ausdruck ״Bewegung* nicht im engeren Sinne nimmt, sondern die Erkenntnissthätigkeit der Seele darunter mitversteht, so ist er natürlich nicht der von Aristoteles genannten ersten Klasse beizuzählen. Doch lässt sich in der ganzen Darstellung des Gabirol bereits die Hinneigung zur Platonischen Auffassung vom Wesen der Seele als der sich selbst bewegenden Substanz erkennen.