Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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97 Frage entscheiden zu können37). Ebenso widmet der Herausgeber des Buches de anima dieser Frage eine ausführliche Besprechung‘ und gelangt zu dem Resultate, dass die ersten sieben Kapitel einer verloren gegangenen Schrift Gabirols entnommen sind. Wir können uns dieser Ansicht nicht anschliessen, und die Vermuthung Munk’s scheint uns recht zweifelhaft zu sein. Abgesehen davon, dass fast gar keine sicheren Anhaltspunkte für die Autorschaft Gabirol’s sprechen, lassen sich auch manche Gründe dagegen anführen. Was zunächst den Inhalt des Buches an sich betrifft, so lässt derselbe keineswegs erkennen, dass der Verfasser der Grundschrift ein Neuplatoniker war, vielmehr sind es fast durchwegs Aristotelische Anschauungen, denen wir begegnen. Neuplatonisch sind diese Anschauungen nur insoweit, als die arabischen Aristoteliker überhaupt von neuplatonischen Einflüssen nicht frei sind, nicht aber in dem strengen Sinne, in dem wir den Neuplatonismus durch Gabirol vertreten sehen. Ueberdies wird sich vielmehr durch eine kurze Analyse des Buches und eine Vergleichung mit dem neuplatonischen Standpunkte Gabirol’s ergeben, dass einzelne Lehren dem Neuplatonismus geradezu widersprechen. Wir gehen zu diesem Zwecke den Inhalt der einzelnen Kapitel durch, wobei wir uns natürlich auf die Heraushebung der Hauptpunkte beschränken. Es wird sich zeigen, dass sich für das Meiste Parallelen bei dem Aristoteliker Ibn Sina nachweisen lassen38), und dass manche Anschauungen mit denen der Neuplatoniker nicht übereinstimmen. In der Einleitung (S. 79) wird die Wichtigkeit der Psychologie hervorgehoben. Darauf, dass Gabirol in ähnlicher Weise von der Wichtigkeit der Psychologie redet, ist selbstverständlich kein Gewicht zu legen, wie der Herausgeber selber (S. 30) bemerkt, da derselbe Gedanke auch anderwärts häufig wiederkehrt. Wir bemerken bloss, dass Ibn Sina in ähnlicher Weise die Wichtigkeit der Psychologie begründet (ZDMG 29, S. 340). Capitel 1 (S. 81) wird als erste Frage hingestellt, ob die Seele ist oder nicht, womit die Aeusserung J. S.’s daselbst (S. 342) zu vergleichen ist, wonach derjenige, der einen Gegenstand zu beschreiben unternimmt, ohne vorher festgestellt zu haben, ob er existirt, von der Methode der richtigen Darstellung abweicht. Die Bemerkung, dass es Leute giebt, welche die Existenz der Seele leugnen, weil sie nur an das glauben, was sie mit den Sinnen wahrnehmen, 37) Hebr. Uebersetzungen, S. 17 u. 21. 38) Dass der Hauptinhalt des über de anima mit der Psychologie Ibn Sina'9 übereinstimme, wird bereits von Guttm. S. 16 bemerkt, wir hielten es jedoch für angemessen, dies im Einzelnen nachzuweisen.