Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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Bevor wir nun zur Darstellung der Psychologie Gabirol’s schreiten, müssen wir noch eine Frage erledigen, welche die angeblichen Beziehungen Gabirol’s zum über de anima von Gundisalvi35), dem Uebersetzer der ״Lebensquelle״, betrifft. Munk36) hat zuerst die Ansicht ausgesprochen, dass wir in diesem Buche die Ueber- Setzung einer uns verloren gegangenen Schrift Gabirol’s vor uns haben, was namentlich durch den Inhalt des achten Capitels (des siebenten bei Loewenthal), in dem auseinander gesetzt wird, dass alle Dinge ausser Gott aus Materie und Form zusammengesetzt seien, nahe gelegt werde. Auch Steinschneider hält dies nicht für unwahrscheinlich, macht jedoch den Vorbehalt, dass noch eine sachliche Vergleichung zwischen dem Inhalte des Buches de anima und der Philosophie Gabirol’s vorgenommen werden müsse, um über diese merkung, dass diese Ansicht zur Annahme einer unendlichen Reihe führt, wird nicht näher begründet, aber gemeint ist wohl etwas Aehnliches, wie bei Aristoteles Metaphysik 991a 29 oder Parmenides 132, wo zu zeigen versucht wird, dass die Annahme, die Dinge seien den Vorbildern durch Theilnahme ähnlich, dazu führen müsse, Ideen von den Ideen zu setzen (0uz apa oiov 73 71 710 31031 ouoiov sivat, oiok 70 3I00<; aLLtp* ei 03 p.7j, Tzapa 70 3100«; <7.31 äk\0 </.vc.<p7.v7j337<zt 3100 c . . . xa. 07073־01 3־ 7uaua377t 731 xaivov 3100; ־j׳r(voasvov). Schliesslich ist im Zusammenhänge auch die Bemerkung, dass die Mu'ammarija Anhänger der Ideen genannt wurden nicht ohne Bedeutung, denn desselben Ausdruckes bedient sich Plato’s Sophist 248, wo er von den Materialisten zu den Freunden der Ideen (700<; 7<ov s'.oojv <ptX.o׳j£) übergeht. Wir kommen nun zu der Anschauung Mu'ammar’s über den Willen. Er soll behauptet haben, dass der Wille Gottes in Bezug auf das Ding nicht Gott selber sei und auch nicht die Schöpfung des Dinges und auch nicht das Gebot, und die Verkündigung der Satzung, und er deutete hin auf ein unbekanntes Etwas, das nicht gewusst wird ^JLxj &UI 01ע^)| üyu *!$). Was über das Verhältniss des Willens zur Satzung gesagt wird, hängt wohl mit der Dogmatik des Islam zusammen; die eigenthümliche Stellung aber, die dem Willen zwischen Gott und dem Geschaffenen zugewiesen wird, erinnert, die Richtigkeit des Textes vorausgesetzt, an die Lehre vom Willen bei Gabirol. Besonderes Gewicht aber legen wir auf die Schlussworte: und er deute hin auf ein ״unbekanntes Etwas6, das nicht gewusst wird, die nach unserem Dafürhalten nicht als eine Bemerkung Sahr/s aufzufassen sind, sondern mit zur Ansicht Mu'ammar’s gehören. Das unbekannte Etwas aber ist nichts Anderes, als das Geheimniss des Willens (סוד הרצין), die charakteristische Bezeichnung, der wir bei Gabirol (H, 20 und Königskrono: ושש היסוד והשוד) Und Josef Ibn Saddik (S. 52) begegnen. Es wurde von Löwenthal herausgegeben unter dem Titel: Pseudo- Aristoteles über die Seele, Berlin, 1891. 86) a. a. O. S. 170.