Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
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- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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95 von ihm hinsichtlich des Willens mitgetheilt wird, kann man die charakteristische Bezeichnung wieder finden, deren sich Gabirol hinsichtlich, des Willens bedient34). 34) Unter den von Sahr. S. 46 (H. I, S. 67) im Namen Mu‘ammar*s mitgetheilten Ansichten geht die eine dahin, dass man Gott nicht ein Wissen seiner selbst zuschreiben könne, weil dies dazu führen würde, dass das Wissende und Gewusste Eins sei, und dass es ebenso absurd sei, dass er die Dinge ausser sich wisse. Dasselbe wird von Mu'ammar (Mewakif, ed. Soerensen, p. 341) berichtet. Dass diese Ansicht, wie auch die Begründung, streng Plotinisch ist, braucht nicht hervorgehoben zu werden, und es ist bloss bemerkenswert!!, dass wir bei Mu'amraar die Lehre Plotin’s noch in ihrer ganzen ursprünglichen Form an treffen, was später nicht mehr der Fall ist. So wenig wurde diese Lehre später verstanden, dass Sahr. die Richtigkeit der Ueberlieferung anzweifelt mit dem Bemerken, es sei nicht denkbar, dass ein Vernünftiger dergleichen behaupten könne, worauf er dann die angebliche Ansicht Mifammar’s durch die Behauptung der Philosophen von der Einheit des Denkenden und Gedachten zu widerlegen sucht. Neuplatonisch ist ferner die Behauptung, dass man von Gott nicht sagen könne, er sei ewig, was gleichbedeutend ist mit der Anschauung der Neuplatoniker, Gott sei über der Ewigkeit. Ferner werden von Mu'ammar Ansichten mitgetheilt, die möglicher Weise aus neuplatonischen Quellen geschöpft, wahrscheinlich aber direct aus dem Sophisten Plato s entlehnt sind. So behauptet Mu£ammar, dass die Bewegung von der Ruhe nicht ihrem Wesen nach verschieden sei, sondern durch einen Bcgriff, der die Verschiedenheit nothwendig mache, und dass ebenso die Verschiedenheit zweier ähnlicher Dinge und ihre Gleichheit und der Gegensatz zweier entgegengesetzten Dinge nur durch einen Begriff da sei. Man erkennt in diesen Worten die fünf Kategorien des Plato: Sein, Bewegung, Ruhe, Identität und Anderssein, und mit der angeführten Aeusscrung ist zu vergleichen Soph. 255: 27 Izc0־3־v y).(j sTSpöv slva» twv 0/J.üjv 0׳j ot/z r/jv obzr/j 06317, akkä ciä ~Jj u.iziyv.v ioiac fhz'dpoD. Ferner wird mitgetheilt, Mu'ammar habe behauptet, dass die Accidenzen in jeder Gattung endlos seien, und dass jedes Accidenz, das in einem Träger ist, in ihm nur sein Bestehen habe durch einen Begriff, der das Bestehen nothwendig macht i ^3**-^*־^*^*^ )• Diese Ansicht aber, fährt Sahr. fort, führt zur Behauptung einer unendlichen Reihe, und wegen der letzteren Ansicht wurden er und seine Anhänger Anhänger der Ideen genannt. Was nun die erste Behauptung von der Unendlichkeit der Accidenzen betrifft, so wird sie verständlich durch Vergleichung mit Sophist 256: -spt sza30:־v apa “wv £10(07 0/0״ uiv £31־ tö ov, feipov ok T:\fftz 1 ~'o;17] 07. Hier ist vielleicht auch der Ursprung zu suchen für die bekannte Anschauung der Mutakallim (Moreh I, 73,4), dass jedem Ding von zwei beliebigen entgegengesetzten Eigenschaften die eine oder die andere zukommen müsse, und dass die Privation ebenso ein Attribut sei wie das Positive. Was die zweite Behauptung betrifft, so wird sie von Haarbrücker falsch wiedergegeben, indem er übersetzt: jedes Accidenz habe sein Bestehen in einem Träger, bestehe aber in ihm nur durch einen Begriff, der das Bestehen nothwendig macht. Hierdurch wird das gerade Gegentheil von dem ausgesagt, was ausgesagt werden soll, denn es ist nichts Anderes gemeint, als dass die Accidenzen — das sind hier die Formen überhaupt — getrennt für sich existiren und dort ihr wahres Sein haben, und dass die an den Dingen existirenden Accidenzen bloss ein Abbild derselben seien. Die sich daran knüpfende Be-