Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2720904-2720971--17-2724809- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dahin gehört die Anschauung, dass auch die intelligiblen Substanzen aus Materie und Form zusammengesetzt seien, die, vielleicht mit Ausnahme einer einzigen Stelle26), nirgends ausgesprochen wird. Dass übrigens eine solche beiläufige Erwähnung nicht den Ausgangspunkt bildete, von dem aus Gabirol zu einer Lehre gelangte, die das Grundthema der ״Lebensquelle“ darstellt, braucht kaum hervorgehoben zu werden. Eine zweite Quelle neuplatonischer Philosophie, welche den Arabern zugänglich war, ist das von den Scholastikern genannte Buch de causis27). Dasselbe ist ein Auszug aus der ozoiye'uooK; des Körpers mit einem Netz scheint doch etwas Anderes zu Grunde zu liegen. Auch bedarf der Zusammenhang mit der vorhergehenden Bemerkung, dass die Seele die Vorbedingung für die Existenz des Körpers, nicht aber umgekehrt der Körper nothwendig für die Seele sei, der Erklärung. Der Vergleich dürfte aus Plotin IV, 3, 9 stammen, wo der Körper mit einem Netze verglichen wird, das, im Wasser liegend, ganz von demselben getragen und durchdrungen wird und sich selbstständig nicht bewegen kann. Ebenso verhalte sich der Körper zur Seele: xstxat 9»ץ sv Xfl avsyo'jafl auxov xa'l oüosv a^otpov saxlv auxrjc, ax; av £v uoaai x£Y־(öj1cvov £cj>7], oü 0üvd[1£vov os auxou xotsTafrat £v 10 I311V, aXka 6־ jiiv olxtuov sxTstvojjLSvyjc r^orj 0-aXaaoyjc oev£xxsx׳zxat, oaov duxo oövaxat. Das Bild vom Netz soll daher in der That, ganz wie bei Plotin, den vorhergehenden Gedanken von der Abhängigkeit gegenüber der Seele veranschaulichen, wurde aber von Aldabi oder von seiner Quelle nicht mehr verstanden und so aufgefasst, als ob gesagt sein sollte, der Körper sei das Netz, in dem die Seele gefangen wird. Die Kenntniss Plotin's bei den Arabern war demnach umfangreicher, als man nach der uns erhaltenen Theologie annehmen möchte, sei es, dass von der Theologie selbst sich uns bloss ein Bruchstück erhalten hat, sei es, dass diese Kenntniss auf anderem Wege vermittelt wurde. Vgl. Guttmann, S. 29, A. 2. 26) Diese Stelle ist nach Guttmann, S. 29 die Bemerkung in der Theologie S. 106 (Uebers. S. 107), es sei der Stoff des Geistes erhaben, doch noch einfacher und umfassender der Geist selbst, und ebenso sei der Stoff der Seele erhaben, weil sie von einfacher intelligibler Natur sei, doch sei die Seele noch von grösserer Einfachheit. Es fragt sich jedoch, was hier unter dem Stoffe des Geistes zu verstehen sei, da nach der Parallelstelle in Plotin V, 1,_3 darunter die Seele gemeint ist, die sich zum Geiste wie der Stoff zur Form verhält. Möglich, dass die Bemerkung in der Theologie in demselben Sinne aufzufassen ist, und dass dem entsprechend unter der Materie der Seele wiederum die Natur zu verstehen ist, die ihrerseits wieder die Form von der Seele empfängt Demnach wäre hier gar nicht die Rede von einer Zusammengesetztheit des Geistes und der Seele aus Stoff und Form. Sollte jedoch die Stelle in der Theologie nicht so aufzufassen sein, dann beruht dieselbe auf einem Missverständnis der Aeusserung Plotin’s. Zum Text der Theologie sei noch bemerkt, dass Ä-idftc., Z. 10 wahrscheinlich zu streichen ist, weil dadurch der Gegensatz zum Vorhergehenden aufgehoben wird. Z. 14 ist anstatt zu lesen. 27) Es wurde von Bardenhewer 1882 im arabischen Original und mit deutscher Uebersetzung herausgegeben. Derselbe handelt auch ausführlich über Ursprung und Einfluss des Buches.