Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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86 Betracht zieht, wie lassen sich Stellen erklären, die man weder dem Uebersetzer noch den Abschreibern zur Last legen kann, weil sie offenbar einen Fehler im griechischen Text der Enneaden voraussetzen?21) Hier haben wir es offenbar mit Missverständnissen des (empfing). Dass man thatsächlich nicht überall ein Missverständniss, sondern häufig auch einen Textfehler annehmen muss, soll an den von Volkmann als Beispiele von Missverständnissen angeführten Stellen bewiesen werden. Dahin gehört die von Volkmann S. IV aus Diet.’s Uebersetzung S. 27 angeführte Stelle: ״Demnach zerfallt die Kraft der Seele in zwei Arten, in eine Art, die sich mit der Theilung des Körpers, sowie die Wachsthum- und Begehrseele, theilen lässt, die beide durch den ganzen Körper der Pflanzen hingebreitet sind, und die, welche sich mit der Theilung des Körpers theilen lässt. Beide umfasst dann eine andere, bleibendere und erhabenere, höhere Kraft.“ Hier liegt ein Fehler und kein Missverständniss vor. Denn nach dem Anfänge erwartet man einen Gegensatz, und dieser Gegensatz fehlt. Es ist demnach im Text eine Lücke anzunehmen, und der Sinn ist ungefahr so: Die eine Art, welche sich theilen lässt, ist die vegetative Seele, welche identisch ist mit der Begehrseele, und die wahrnehmende Seele. Die andere Art, welche nicht theilbar ist, ist die Denkseele, und diese ist es, welche jene beiden umfasst. Auf diesen Gedanken weist auch dasjenige hin, was auf die citirte Stelle lolgt. Ebenso verhält es sich mit demCitat ausDiet. S. 50: ״Verhält es sich nun so, wie wir beschrieben, und ist die Natur gut, so passt es sich, dass die Werke der Natur schön sind“. Es muss umgekehrt heissen: ״Sind die Werke der Natur schön, um wieviel mehr die Natur selber“, und dem entsprechend ist auch im Texte zu lesen: »*AxIaJl ^XxxAJail jL*c.f Nichts desto weniger lässt sich nicht läugnen, dass wir es an vielen Stellen mit falschen Auffassungen und nicht mit blossen Textverderbnissen zu thun haben, und nur das wollten wir bemerken, dass gar Vieles, was auf den ersten Blick als Missverständniss erscheint, bei näherer Betrachtung als blosser Textfehler sich erweist. 21) Volkmann S. VIII will mehrere solcher Beispiele gefunden haben, doch scheinen sie uns nicht überzeugend. Zunächst die aus der Uebersetzung Dieterici's S. II (Text S. 10) angeführte Stelle: Plato nannte den Leib eine ״Höhle“, mit welchem Empedokles übereinstimmte, nur dass er den Leib ״Rost“ nannte, wofür es in der Parallelstelle Plotin IV, 8, 1 heisst: Plato gebrauchte den Ausdruck 01u7jXa10v, während Empedokles anstatt dessen d'vxpov sagte. Volkmann will nun das Missverständniss daher erklären, dass der Paraphrast a£av anstatt avxpov las. Allein das ist gewiss eine sehr fernliegende Vermuthung, und als Beweis kann diese Stelle kaum gelten. Wenn wir eine Vermuthung aussprechen sollen, möchten wir eher folgende Verwechslung annehmen. Im Syrischen heist צדיא Rost und צריא foramen, cavitas, Spalt, vgl. Jeremia 13, 4, wo בנקיק ד.םלע durch צריא דכאפא wiedergegeben ist. Da es gar nicht fern liegt, dass die arabische Uebersetzung aus dem Syrischen geflossen ist (vgl. Haneberg a. a. O.), so haben wir es vielleicht bloss mit einer Verwechslung von צדיא und צריא zu thun. Nun bedeutet zwar צי״יא nicht geradezu Höhle, sondern eher Riss, Spalt, aber es ist wohl möglich, dass der Uebersetzer das Wort hier im ersteren Sinne gebraucht hat, um auf diese Weise eine Nüance auszudrücken, da es doch schwer war, das griechische Original wiederzugeben, in dem es sich bloss um eine Verschiedenheit des Ausdruckes, oy und avxpov, handelt. Wie konnte er also den Unter-