Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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82 neuplatonischen Charakter der Gabirol’schen Philosophie zu bestreiten12). Was bei diesem Sachverhalt zweifelhaft erscheinen könnte, ist lediglich dies, ob jene Abweichungen als selbständige Aenderungen Gabirol’s anzusehen sind, oder ob Gabirol dieselben bereits in den Quellen, welche er benützte, vorgefunden hat. um beiläufige Bemerkungen handelt. So wird III, 15 (B. III, 16, S. 113) gelegen tlieh bemerkt, dass nicht bloss die oberen Substanzen, sondern überhaupt alles Seiende wirken muss: יבכלל כח כל הנמצאים ישולח וישקע ויפלש בכל, — ein Gedanke, welchen Plotin sehr häufig betont. III, 6, 14: aurq pp tou ovtoc; «puai!; xa ovxa tüoleiv, vgl. IV, 5, 7: lysi ׳)־ap sxaaxov xojv ovxojv £vsp-(stav, und V, 4, 1: xal xd ofyuya pisxaoioovxa eauxwv xaÖ־’ oaov ouvaxat. Auch für die Behauptung, dass die Substanz der Kategorien am Weiterwirken gehindert sei, weil sie die Quantität in sich aufgenommen habe, lässt sich eine Andeutung bei Plotin finden, vgl. VI, 5, 11 Anfang und c. 12: ou ־)־dp £v sauxiß lysi uXrjv, tva xcj> £1־£0ץ1£י xou dyxou aovs7u1Xsnq) 2!c jiixpov iXfiouaa. 12) Wie dies beispielsweise von Kaufmann, Attributenlehre, S. 103, A. 14 geschieht, der seine Behauptung damit begründet, dass Gabirol ohne Bedenken von Gott Bezeichnungen, wie Schöpfer, der erste Wirkende gebraucht, während Plotin nur mit Widerstreben Gott die erste Ursache nennt. Darauf ist jedoch kein Gewicht zu legen, denn nicht bloss der gleich zu erwähnenden Theologie des Aristoteles sind diese Bezeichnungen geläufig, sondern Plotin selbst nimmt es mit diesen Ausdrücken nicht genau, und er bemerkt bloss, dass, wenn wir das Urwesen Ursache nennen, wir damit nicht etwas von ihm aussagen, sondern etwas von uns, weil wir etwas von ihm her haben, während jenes in sich selber ist. Ebenso wenig ist beispielsweise darauf Gewicht zu legen, dass Gabirol III, 1 Gott ראשון הדברים הנמצאים nennt und doch wiederum B. III, 4, S. 83 sagt: factor primus non est in potentia nec in effectu, was wiederum ganz Plotinisch ist, vgl. Guttm. S. 121, A. 1. Freilich steht mit letzterer Stelle im Widerspruch die Aeusserung B. V, 24, S. 302, Gott sei nothwendig existirend, was wiederum an die Anschauungen und den Sprachgebrauch der arabischen Aristoteliker erinnert. Im Allgemeinen ist jedoch hinsichtlich der Bezeichnungen »erster Schöpfer, Ursache״ u. s. w. an die treffende Bemerkung Ritter’s, Geschichte der Philosophie, (2) IV, S. 611 zu erinnern, wonach auch Plotin nur solche Beiwörter dem Ersten beizulegen vermeidet, die er anderen Prinzipien ausschliesslich beilegen will, während er andere weniger bedenklich findet Hingegen bezeichnet es Joel a. a. O. S. 8 mit Recht als eine einschneidende Differenz, wenn Gabirol von einem Wissen Gottes redet, da doch die Anschauung von der Zweiheit des Denkenden und Gedachten der eigentliche Grund ist, der Plotin veranlasst, nicht den vo׳><; selbst als absolute Einheit zu setzen. Wie sich dies vom Standpunkt Gabirol’s vielleicht erklären lässt, darüber s. Guttmann, S. 216, A. 4, welcher meint, man habe unter dem Wissen Gottes bei Gabirol nicht ein Wissen im gewöhnlichen Sinne zu verstehen. Eine Stütze für diese Auffassung kann man in der Aeusserung des Proclus, über de causis, ed. Bardenh., S. 78: jjm-J ־•ן^^ finden. Wenn also bereits Proclus von einem göttlichen Wissen redet, so kann es gewiss nicht auffallen, wenn man diese Abweichung von Plotin bei Gabirol und bei dem später zu erwähnenden Pseudo- Empedokles nach der Darstellung Sahr.’s findet und ebenso in den vom Letzteren erwähnten Aussprüchen des Seich Al-Jaunani, die, wie wir sehen werden, auf Plotin zurückgehen.