Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
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- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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79 "־ haben Joel und Guttmann6) die Abhängigkeit Gabirols von Plotin nicht bloss in den Grundzügen seines Systems, sondern auch in vielen Einzelheiten durch zahlreiche Parallelen nachgewiesen. Diese Abhängigkeit reicht jedoch vielleicht nicht so weit, als Joel, der die ״Lebensquelle“ kurzweg ein ״Lehrbuch der neuplatonischen Philosophie“ nennt, annehmen zu müssen glaubt. Abgesehen von der eigenthümlichen Stellung, welche der Wille im System Gabirors einnimmt, weicht Letzterer auch in seiner Lehre von der Materie und Form, die den Hauptinhalt der ״Lebensquelle“ ausmacht, von Plotin ab. Die Uebereinstimmung reicht nur so weit, dass sie Beide die Unter- Scheidung zwischen Stoff und Form auf die intelligible Welt ausdehnen, im Uebrigen aber Gabirol von Plotin nicht bloss in seiner Grundanschauung vom Wesen der Materie7), sondern auch in der consequenten Durchführung und Entwickelung seiner Lehre8) differirt. Auch in anderen minder wichtigen Punkten lassen 6) Der Letztere in dem eben genannten Werke, und Ersterer in: ״Ibn Gabirors (Avicebrons) Bedeutung für die Geschichte der Phüosophie“, welche wir nach dem Neudruck in Joels, ״Beiträgen zur Gesch. d. Philos.“, Anhang zu Bd. I, citiren. 7) I, 6 zählt Gabirol zu den Merkmalen der Materie auch, dass sie ein Seiendes sei, wozu Guttm. a. a. O., S. 73, A. 3 mit Recht bemerkt, dass Plotin die Materie als ein Nicht-Seiendes hinstellt. Diese Bemerkung muss jedoch ergänzt werden durch die andere, dass dies lediglich von der körperlichen Materie gilt, während die intelligible Materie von ihm als Seiendes betrachtet wird. II, 4, 5: 010 za 1 xob<; Xs־f0vTas ouatav x7]v üLtjv, s 1 zspl sXsfov, 0p9־c5; sost u-0L«11ßdv=1v /i־(siv und II, 4, 16 Schluss: ixsivrj oe 7} '6hq r' ixsi ov* tg ךdp ־po a!kyj<; izsxstva ovxo<;. Die Definition, die Gabirol von der Materie giebt, ist daher nicht im Sinne Plotin’s. Was nach diesem von beiden Materien gemeinsam ausgesagt werden kann, ist, dass sie ein Substrat und Aufnahmeort für die Formen sei (II, 4, 1). Der Unterschied spricht sich besonders auch darin aus, dass Plotin von einer doppelten und Gabirol von Einer Materie redet. Auch ist die ganze Lehre für Plotin von keiner weiteren Bedeutung, während sie bei Gabirol einen Eckstein seines Systems bildet, vgl. Guttm. a. a. O. S. 30 und Seyerlein, Die gegenseitigen Beziehungen zwischen abendländischer und morgenländischer Wissenschaft mit besonderer Rücksicht auf Salomo ibn Gabirol, Jena 1899, S. 22. 8) Die Entwickelung und Auseinandersetzung dieser Lehre bei Gabirol ist noch nicht genügend verglichen worden. Die Unterscheidung einer vierfachen Materie am Ende des ersten Traktats findet sich nicht bei Plotin, was jedoch von keiner Bedeutung ist, da diese Unterscheidung gewissermassen bloss den didaktischen Zweck hat, den Schüler in den Gegenstand einzuführen. Auch deckt sich die Eintheilung bei Gabirol nicht mit der der lauteren Brüder, Weltseele S. 7 (vgl. Guttm. S. 78, A. 2), da, wie aus Weltseele, S. 17 zu ersehen, unter der vierfachen Materie der lauteren Brüder etwas Anderes zu verstehen ist. Für die Unterscheidung der sphärischen Materie kommt auch nicht Plotin II, 1, worauf Joel a. a. O. S. 13 hinweist, in Betracht, da gerade der Grund, den Gabirol für die UnVergänglichkeit der Himmelskörper angiebt, sich dort nicht findet. Von grösserer Bedeutung ist schon 6*