Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
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des Einen der des Lammes, die Wildheit des Andern der der reissenden Thiere, die Gefrässigkeit des Dritten der des Hundes, die Schnelligkeit des Vierten der des Vogels. Diese Erscheinung, meinen sie, sei darauf zurückzuführen, dass in jenen Menschen thatsächlich Thier- Seelen wohnen138). Allein durch dieses Argument tritt die Thorheit jener Männer nur um so auffälliger hervor, denn einerseits soll es der Körper sein, der seinen eigenen Charakter der Seele verleiht, und die Thierseele, wenn sie in einen Menschenleib kommt, sich in eine Menschenseele umwandeln, und andererseits soll es umgekehrt die Seele sein, die dem Körper ihren eigenen Charakter aufdrückt und dem entsprechend die Thierseele, wenn sie in einen Menschenleib kommt, diesem die Eigenschaften des Thieres verleihen. Abgesehen nun davon, dass sie die Seele als etwas Wandelbares ansehen, das keine bleibende Wesenheit hat, gerathen sie in Wider- Spruch mit sich selber, indem sie bald die Seele bald den Körper als das bestimmende, gestaltende Prinzip betrachten. III. Ferner machen die Anhänger der Seelen Wanderung als Beweis für ihre Ansicht die Leiden der Kinder geltend, die nach ihrer Meinung nur eine Strafe sein können für Sünden, die die Seele Richtige lässt sich vielleicht nach Tibbon hersteilen. Seine Vorlage lautete offenbar (ג, (ומי jlj (שהוא מחזיק) r)l u. s. w. Man braucht bloss in zu emendiren und die Stelle giebt einen guten Sinn, und zwar wäre demnach zu übersetzten ואם אינו יודע ״ בי אנשי ובדobgleich er nicht weiss, dass“, u. s. w. Will man *״iX**״*A‘ vorziehen, so erwartet man auch LJ. *ג anstatt obgleich zur Noth auch dieses aufrecht erhalten werden könnte. Was die Bemerkung Saadias an sich betrifft, so ist der von ihm behauptete Zusammenhang zwischen der Präexistenz־ lehre und der Seelenwanderung sachlich begründet und lässt sich auch ge־ schichtlich nachweisen. Denn allerdings ist, wenn die Seele vor ihrer Ver־ leiblichung eine vom Körper unabhängige Existenz führte, um dann in einem beliebigen Körper Wohnung zu nehmen, kein Grund einzusehen, warum sie nicht nachdem sie den ersten verlassen hat, eben so gut in einen neuen Körper sollte eingehen können. Geschichtlich lässt sich die Bemerkung gleichfalls als richtig nachweisen, denn in der That fanden sich beide Lehren zumeist vereinigt, vergl. Delitzsch, System der biblischen Psjrchologie S. 405 : ״Die Matempsychose ist die gewöhnlich, wenn auch nicht immer mit dem Präexistentianismus verschwisterte Lehre.“ Dass auch die Dualisten Anhänger der Seelenwanderung waren, berichtet Sahrastani I, 197 (H. I, 297). 138) Die ganze Darstellung erinnert offenbar an die Lehre Platos, wonach die Seelen der Lasterhaften entsprechend den Eigenschaften, die sie im Leben bethätigten, dazu verurtheilt werden, in Thierleiber mit gleichen Eigenschaften zu wandern. Wie wir von Nemes. nat. hom. S. 50 erfahren, haben Einige die Aeusserungen Plato’s buchstäblich verstanden, während Andere das Bildliche in der Darstellung nicht verkannten. Vgl. Dieterici, Anthropologie, S. 59.