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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1898-01-01 · 1898 · page 74

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 74)
Language
German
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IRI
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68 Von den Schriftaussagen, die Saadia als directe .Beweise für den Unsterblichkeitsglauben anführt und unter sieben Gruppen bringt, heben wir bloss zwei hervor. An mehreren Stellen, sagt Saadia, ist in der hl. Schrift die Rede von einem Leben, welches als Lohn der Weisheit und Tugend erworben wird, und dem gegenüber wird von einem Tode gesprochen, welcher als Strafe der Thorheit und Sünde erscheint (Ezechiel 18, 21. 20, 21, Sprüche 8, 35, 36 u. s. w.) Sinn und Zusammenhang dieser Stellen erfordern, dass man hier Leben und Tod nicht in der gewöhnlichen Bedeutung verstehe und auf das Diesseits beziehe, da doch die Frommen und Gottlosen hinsichtlich des zeitlichen Lebens und des zeitlichen Todes gleich sind. Es ergebe sich vielmehr mit Nothwendigkeit, dass die beiden Ausdrücke in übertragener Bedeutung auf das Jenseits zu beziehen seien. In der hl. Schrift ist ferner häufig die Rede von einem Glücke, das für die Frommen aufbewahrt ist, und von einer Strafe, die des Frevlers harret (Sprüche 5, 19 und 6, 14; Deut. 6, 25 und 24, 13; Jes. 58, 8)133). Auch hier wird es durch den Zusammenhang klar, dass nicht von einer Belohnung und Bestrafung hienieden, sondern von einer solchen im jenseitigen Leben die Rede sein müsse. Was die Ueberlieferung betrifft, so sind die Belege aus derselben so zahlreich, dass sich Saadia auf die Anführung der wichtigsten Aus- Sprüche beschränken will. Die Ueberlieferung redet nicht wie die hl. Schrift in verhüllten Andeutungen und räthselhafter Kürze, sondern in klaren nicht misszuverstehenden Sätzen. Dahin gehört die Sentenz, welche die diesseitige Welt mit der Vorhalle, die jenseitige mit dem Palast des Königs vergleicht. Daran schliessen sich andere Ausprüche, die von der Unsterblichkeit und jenseitigen Vergeltung, wie von einer bekannten, im Volke allgemein verbreiteten Lehre reden und dieselbe gleich, in Bezug auf die Seele so sehr verschieden sind. Aber gesetzt sogar den Fall, meint Saadia, dass die Worte Kohelet’s als wirkliche Frage zu nehmen seien, so hebt er selbst jene Aeusserung auf, indem er 12, 7 sagt, ״und der Geist kehrt zurück zu Gott, der ihn gegeben“. Diese Erklärung Saadias eignen sich die Späteren an, wie Josef Ibn Zaddik (Mikrokromos, S. 35), Ibn Ezra in seinem Commentar zur St. und der Verfasser von תורות הנפש, S. 80. Letzterer jedoch sieht sich veranlasst, wegen der eigenthümlichen Bedeutung von רוח den Ausdruck רוח הבהמה in übertragenem Sinne aufzufassen und versteht darunter: נפשות אנשים הנבערות מדעת וממעשה אשר היו במצב הבהמות. 133) Was die zuletzt genannten drei Stellen betrifft, so glaubt Bacher, a. a. O. S. 33 A. 6, Saadia habe die specielle Bedeutung von צדקה im Auge. Allein, wir wissen nicht, welche besondere Bedeutung Saadia mit diesem Worte verbunden hat, und Bacher macht keine Stelle namhaft, aus der dies zu ersehen wäre. Der Beweis dürfte vielmehr darauf beruhen, dass an den fraglichen Stellen der Ausdruck 1לפני ד vorkommt.

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