Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
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67 kurzen Andeutungen zu begnügen130), während sie es liebe, über Dinge, die der Vernunft nicht von selbst einleuchten und von denen wir nur auf dem .Wege der Offenbarung Kenntniss erlangen können, sich ausführlich zu verbreiten. Und ein solcher Fall liege hier vor, denn die Fortdauer und jenseitige Belohnung gehöre zu den Erkenntnissen, die sich unserer Ueberzeugung bei blossem Nachdenken aufdrängen und von denen uns die Vernunft vergewissere131), während in der Versicherung, dass nach dem religiösen und sittlichen Verhalten des Volkes sich dessen zeitliches Wohlergehen, seine äusseren Glücksumstände, der Segen und die Fruchtbarkeit des Landes richten werde, uns eine Thatsache verbürgt werde, die sich von Seiten der Vernunft nicht ergebe und von der uns die Gewissheit nur auf dem Wege der Offenbarung verschafft werden könne. Der Umstand, dass die hl. Schrift an den angedeuteten Stellen über die jenseitige Vergeltung Stillschweigen beobachtet, lässt sich aber noch in anderer Weise erklären. Es ist nämlich auch Gewohnheit der hl. Schrift, sich über das Fernliegende kürzer zu fassen, als über das Naheliegende, dessen Eintreffen unmittelbar bevorsteht. Nun bezogen sich in der That jene Verheissungen und Strafandrohungen auf die nächste Zukunft und ihr Inhalt sollte sich sofort bewähren. Denn der Einzug ins heilige Land stand unmittelbar bevor. Es ist daher nur der Gewohnheit der Schrift entsprechend, wenn sie sich in ihren Voraussagen über das dem Volke im heiligen Lande bevorstehende Schicksal in breiter Schilderung ergeht, während sie hinsichtlich der jenseitigen Vergeltung sich auf die Andeutungen beschränkt, die sie anderwärts gegeben132). m) Als Beispiel führt Saadia Gen. 2. 16 an, wo nach der Auffassung der Alten die sieben Noachidischen Gebote angedeutet sind, vgl. Synhedrin 56b. Während aber diese, weil in der Vernunft begründet, nicht weiter ausdrücklich erwähnt werden, redet die Schrift ausführlich über das Verbot vom Baume der Erkenntniss zu gemessen. 131) S. 131 Z. 31 hat sich in die Uebersetzung Tibbons ein Fehler einge־ schlichen. Anstatt שגמול העולם ר,בא מפני שאין עומדין עליו כי אם בשכל, was genau genommen den Ausführungen Saadias widerspricht, muss es heissen: שגמול העולם הבא מפני שעומדין עליו בשכל *JL Jjouo U* e,t/ Ui _ר]י^ JJtxiU. Tibbon scheint l*i! anstatt U^ gelesen zu haben und dadurch zu seiner fehlerhaften Uebersetzung gekommen zu sein. 132) Was die Worte Kohelet’s 3, 21 betrifft, in denen man jedenfalls einen Zweifel an der Fortdauer der menschlichen Seele finden könnte, so bemerkt Saadia bereits im Anfänge des sechsten Abschnittes S. 96, dass dieselben in anderer Weise aufzufassen seien. Nicht einen Zweifel, sondern eine Verwunderung drücken sie aus, dass Mensch und Thier, obgleich hinsichtlich der Körperlichkeit einander