Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
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57 führenden Arterien112). Man erkennt leicht in dem Vermögen, dem Saadia die Funktion zutheilt, die Eindrücke der verschiedenen Sinne in Sich zu vereinigen, den Gemeinsinn des Aristoteles, wenn auch vielleicht die Darstellung bei Beiden sich nicht in allen Punkten deckt, Aristoteles hebt es besonders hervor, dass das Vermögen, welches die Wahrnehmung der verschiedenen Sinne, wie beispielsweise Farbe und Geschmack, mit einander vergleicht und von einander unterscheidet, selbst ein sinnliches sein müsse, da die Objecte, Farbe und Geschmack, sinnliche seien113). Diese Abgrenzung fällt bei Saadia weg, und die Beweisführung gipfelt bei ihm weniger in der Behauptung von der Einheit der Sinnes vermögen als vielmehr der Einheit der Seele überhaupt. Denn Saadia zieht in seine Untersuchung nicht bloss die Sinne, sondern auch das Sprachvermögen hinein und dehnt seine Beweisführung auch auf dieses aus, indem er die Frage aufwirft, wodurch wir im Stande seien, dem, was wir durch die Sinne erfahren haben, durch die Sprache Ausdruck zu geben, mit anderen Worten, wodurch die Wahrnehmungen der Sinnesvermögen dem Sprachvermögen übermittelt werden. Daraus aber folgt ganz allgemein, dass es eine und dieselbe Seele ist, von der alle Funktionen ausgehen, und in der alle Erkenntnisse sich sammeln. Thatsächlich bedient sich Saadia auch gar nicht des Ausdruckes Gemeinsinn, Centralsinn, den wir der Verständlichkeit halber angewendet haben. Er spricht vielmehr von einem Wissen (^), in dem die Seele die Wahrnehmung der verschiedenen Sinne vereinigt. Üeberhaupt findet bei Saadia die Lehre von den äusseren und inneren Sinnen, die in der arabischen und in der späteren jüdischen Religionsphilosophie einen so wichtigen Platz einnimmt, noch keine Erwähnung, was jedoch nicht ausschliesst, dass er, wie wir sogleich sehen werden, einzelne von den später als innere Sinne bezeichneten Vermögen kennt und anführt. Noch spärlicher als über die Sinneswahrnehmung sind die Aeusserungen Saadias über die höhere Erkenntnissthätigkeit der Seele. Was wir darüber wissen, beschränkt sich auf einige knappe Andeutungen, die kein volles Licht über die Anschauung Saadias verbreiten. Dahin gehört die bereits erwähnte Stelle im Gommentar 112) Em. s. 98: בי הגידים אשר נותנים לגוף החוש והתנועה. Während Aris toteles noch nicht zwischen Venen und Arterien unterschied, dachte man sich später die Venen mit Blut und die Arterien mit Pneuma gefüllt, vgl. Siebeck a. u. O. II, S. 484. Diese Anschauung dürfte auch Saadia gehabt haben. 113) Aristoteles, de anima III, 2, 426 b 12: stcsI 03 xal xo Xsoxov xal xo j/wüxu xai sxaaxov xmv aia97־)xwv 7ikooq sxaaxov xpivojisv, xivl xal aiatfavo^sfra oxi ota- ׳Apci. avoqxT] 07] aiaitojasi־ a׳.a97)xd (dp saxiv.