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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1898-01-01 · 1898 · page 58

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 58)
Language
German
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IRI
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52 ist. Einige Philosophen nämlich suchten die Zahl der Sinne zu vermehren, indem sie einen sechsten Sinn annahmen, durch den das Schwere und Leichte erkannt wird. Allein die Annahme eines solchen sechsten Sinnes, meint Saadia, sei nicht nöthig, da wir das Schwere und Leichte an der Stetigkeit der Bewegung erkennen, die sich nach der Schwere und Leichtigkeit richtet96). Die genannte Aussage der Schrift und noch andere Belegstellen können jedenfalls als Beweis dafür dienen, dass wir Alles, was wir mit einem unserer ®®) Die Quelle für diese ganze Auseinandersetzung lässt sich nicht mit Sicherheit angeben. Man könnte an die von Aristoteles, de anima II, 11 aufgeworfene Frage denken, ob wir es bei dem Tastsinn mit einem oder mehreren Sinnen zu thun haben, vergl. Kaufmann a. a. O. S. 41. Allein, die Worte Saadias machen den Eindruck, dass es sich nicht um eine Zerlegung des Tastsinnes nach seinen verschiedenen Funktionen, sondern um einen sechsten Sinn neben den fünf Sinnen handelt. Zu bemerken ist ferner, dass in der von Aristoteles angeregten Frage nicht gerade das Schwere und Leichte allein in Betracht kommt. Als eine ״erwünschte Aufklärung“ zu den Aeusserungen Saadias können wir auch nicht die von Kaufmann a. a. O. S. 185 A. 21 aus דעות הפילוסופים citirte Stelle ansehen, dieselbe ist vielmehr geeignet, den Gegenstand zu verwirren, denn unter dem Titel Bewegung werden hier die heterogensten Dinge durch einander geworfen. Zuerst wird von einer Bewegung gesprochen, die der unserigen entgegengesetzt ist, und dann von der Bewegung allgemein, die zu den sogenannten gemeinsamen Sinnesobjecten gehört. Beide Arten von Bewegung werden doch von uns in ganz verschiedener Weise empfunden und haben nichts als die Namen gemein. Davon abgesehen, passt der Nachsatz (♦ ♦ אבל בצד) nicht zum Vordersatz. Früher war davon die Rede, dass Leichtigkeit und Schwere zu den gemeinsamen Sinnesobjecten gehören sollten, weil sie auf Grund der Bewegung wahrgenommen werden, während es sich im Nachsatze darum handelt, dass Leichtigkeit und Schwere auch von den anderen Sinnen wahrgenommen werden. Daran nicht genug, wird das Wort Bewegung wiederum auf eine gewaltsame Weise hineingezogen, denn bei den Worten: Leichtigkeit und Schwere werden auch von den andern Sinnen wahrgenommen, erwartet man gar nicht die darauf folgende Bemerkung, dass dies stattfinde, wenn die Dinge sich bewegen. Das ist wiederum etwas ganz Neues, und es hätte ebenso gut heissen können, wir erkennen Schwere und Leichtigkeit ungefähr an der Grösse eines Gegenstandes. Wir wollen auf all die Ungereimtheiten der Stelle nicht eingehen, und bemerken bloss, dass möglicher Weise dem Verfasser von דעות הפילוסופים eine Quelle vorlag, die an Aristoteles, de anima III, 1, anknüpfte, wo auseinandergesetzt wird, dass auch für die gemeinsamen Sinnesobjecte ein besonderer sechster Sinn nicht anzunehmen sei, denn dieselben werden von unseren fünf Sinnen nicht bloss accidentell, sondern auf Grund der Bewegung wahrgenommen. Möglich ist es, dass man Leichtigkeit und Schwere mit zu den gemeinsamen Sinnesobjecten zählte und auch auf diese die Aeusserungen des Aristoteles übertrug, wobei freilich sich nicht einmal vermuthen lässt, wie man die angeführte Stelle bei Aristoteles auffasste, denn in דעות הפילוסופים wird das Wort Bewegung wie ein Stichwort in allerlei Bedeutungen gebraucht. Zu einer solchen Vermuthung wird man mehr durch die Aeusserungen in דעות הפילוסופים als durch Saadia veranlasst, hinter

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