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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1898-01-01 · 1898 · page 56

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 56)
Language
German
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IRI
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50 — Nothwendigkeit beruhenden Wahrheiten93). Die weitaus grösste Zahl endlich zieht die auf dem Wege des Schlussverfahrens gewonnenen Urtheile in Zweifel. Im Anschluss hieran entwickelt Saadia in längerer Auseinandersetzung seinen ebenen Standpunkt, aus der wir nur diejenigen Aeusserungen hervorheben, welche auf die psychologischen Anschauungen Saadias Bezug haben. Wir, die Bekenner der Einheit, meint er, halten uns nicht bloss an die genannten drei Quellen der Wahrheit, sondern erkennen noch eine vierte an, das ist die zuverlässige Ueberlieferung94). wenn er S. 36 diesen Ausdruck durch סכלים wiedergiebt, — vgl. Magazin 1888 S. 133 — dass er aber über die Bedeutung des Wortes sich klar war, geht daraus hervor, dass er S. 66 (Landauer 127) denselben Ausdruck nicht ungeschickt durch מתעלמים übersetzt, was Magazin a. a. O. nicht vermerkt wird. 93) Diese Ansicht wird von Saadia Em. S. 33 und 36 mit verschiedenen Gründen bekämpft. Unter Anderem macht Saadia gegen die Anhänger der zehnten Schöpfungstheorie, die Daharijja, geltend, dass sie sich mit ihrem eigenen Prinzip, nur das Zeugniss der Sinne für wahr anzuerkennen, in Widerspruch setzen, da ihre Behauptung selber, die Welt habe keinen Anfang und kein Ende, über die sinnliche Erfahrung hinausgehe. Davon, dass man von dem gegenwärtigen Zustand der Welt nicht auf einen früheren schliessen dürfe, wie Lambert in seiner Uebersetzung des Jezirah-Commentars von Saadia, S. 16 A. 1 die Stelle auffasst, steht hier nichts. Ausserdem erhebt Saadia sowohl gegen die Daharijja, wie auch gegen die Anhänger der zwölften Schöpfungstheorie den Einwand, dass sie durch ihr eigenes Verhalten im praktischen Leben ihren theoretischen Standpunkt verleugnen, so z. B. wenn sie gerade zu den! kundigen Werkmeister, dem erprobten Arzt, ihre Zuflucht nehmen und nicht jeden beliebigen wählen, was sie nach ihrem Skepticismus thun müssten. In dieser Weise ist ^1־^01״ jfiLJt (Landauer, S. 68) zu übersetzen. Tibbon, welcher S, 36 כי מה שהם שוכרים האומן הבקיא והרופא המומחה übersetzt, denkt offenbar an die zehnte Form von 94) Saadia weist aus verschiedenen Belegstellen in der Schrift nach, dass nicht bloss die sinnliche Wahrnehmung, sondern auch die natürliche Einsicht des Verstandes und der Beweis als Quellen der Wahrheit anzusehen sind. In Job 12, 11 findet er den Gedanken ausgesprochen, dass auch die höheren Erkenntnisse auf der sinnlichen Erfahrung sich aufbauen: ואח״כ הודיענו שכל המדעים בנוים על מה שהשגנו בחושינו. Bei diesem ausgesprochenen Empirismus Saadias dürfte vielleicht die Be- Zeichnung ״angeborene Verstandesbegriffe“ bei Kaufmann (Attributenlehre S. 2 A. 3) für die aus der zweiten Quelle abgeleiteten Erkenntnisse zu viel besagen, oder jedenfalls einem Missverständniss ausgesetzt sein. Was Saadia מדע שכלי nennt, könnte man leicht mit den xoivai swoiai oder ־iLpoX(dc1c der Stoiker vergleichen, die darunter solche Begriffe und Annahmen verstehen, die bei allen Menschen in gleicher Weise auf natürlichem Wege, nicht kunstmässig und methodisch, aus der Erfahrung sich entwickeln. Dagegen würde nicht der Umstand sprechen, dass Saadia selbst im Commentar zu den Sprüchen S. 13 von sittlichen Normen redet, die Gott dem Menschen eingepflanzt, und daselbst S. 29 zwischen erworbenen Erkenntnissen unterscheidet und solchen, die in unserer ursprünglichen Anlage und

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