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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1898-01-01 · 1898 · page 54

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 54)
Language
German
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IRI
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48 gelegentlichen einzelnen Aeusserungen im Kitab al־Amanat und seinen sonstigen Schriften möglich ist89). Was wir von den Anschauungen Saadias über die einzelnen Seelenfunctionen wissen, bezieht sich zumeist auf die Erkenntniss־ thätigkeit. Er unterscheidet drei Quellen der Erkenntniss: 1) die sinnliche Wahrnehmung, 2) das unmittelbare Verstandesurtheil, 3) die auf logischer Nothwendigkeit beruhende Schlussfolgerung vom Bekannten aufs Unbekannte99). Unter die erste Klasse fallen alle Erkenntnisse, die wir der Wahrnehmung unserer Sinne verdanken, wie die Erkenntniss von der äusseren Erscheinung der Dinge. Zur zweiten Klasse gehören alle diejenigen Wahrheiten, die mit unmittelbarer Ueberzeugungskraft sich dem Verstände aufdrängen, gewisse natürliche Grundsätze und Annahmen, die ohne alle Beweisführung feststehen und allgemeiner Uebereinstimmung sich erfreuen, z. B. die Erkenntniss, dass die Wahrheit löblich, die Lüge verwerflich sei. Zur dritten Klasse gehören alle diejenigen Wahrheiten, die nicht unmittelbar durch den Verstand oder die Sinne erkannt werden, aber aus solchen unmittel־ baren Erkenntnissen sich mit Nothwendigkeit ergeben91). Ueber die 89) Als Hauptquelle dient uns hier die Einleitung zum Kitab al־Amanat, in welcher Saadia die Grundzüge seiner Erkenntnisstheorie entwickelt. 9°) Em. s. 7: צריך שנדבר הנה על משבי האמת ... ונאמר שהם שלשה משבים הראשון ידיעת הנראה והשני מדע השכל והשלישי יריעת מה שההכרח מביא אליו• Zu diesen drei Quellen fügt Saadia später noch hinzu die zuverlässige Ueberlieferung, und indem er in seinem Commentar zu den Sprüchen, S. 126 die schriftliche Lehre von der mündlichen unterscheidet, gewinnt er fünf Wurzeln der Erkenntniss: כמסה אצול אלחכמה והי אלשאהד ואלעקל ואלמכתוב ואלמנקול ואלאסתנבאט, die seiner Meinung nach insgesammt c. 22, 17—21, wenn auch nicht in der natürlichen Reihenfolge, aufgezählt sind. Die mündliche Ueberlieferung ist angedeutet v. 17; die sinnliche Erkenntniss, die von den Sinneswerkzeugen dem Centralsitz der Seele, dem Herzen, zugeführt werden v. 18 (בבטנך); die Verstandeserkenntniss v. 19; die auf die schriftliche Offenbarung sich stützende Erkenntniss v. 20; die Erkenntniss durch Schlussfolgerung vom Bekannten aufs Unbekannte v. 21. Damit sind die Ausführungen Saadias daselbst S. 13 zu vergleichen, wo die Ausdrücke der Schrift c. 1, 3 gleichfalls zu den verschiedenen Arten der Erkenntniss in Beziehung gebracht werden, und zwar soll הטבל auf die natürlichen Verstandes־ erkenntnisse hinweisen, צדק aber die durch correcte Beweise gewonnenen Schlüsse bezeichnen. Hingegen sollen משפט und מישרים sich in der Weise unterscheiden, dass Ersteres Ausdruck sei für die sogenannten Vernunftgebote, die der Mensch durch sich selbst erkennt, während Letzteres die Offenbarungsgebote umfasse. 9*) Was Saadia unter ,מרע השכלי und מדע הברחי verstanden wissen will, setzt er selbst in klaren, nicht misszuverstehenden Worten auseinander, so dass eine Meinungsverschiedenheit hierüber gar nicht aufkommen kann. Wir begreifen daher nicht, wie Brüll (Jahrbücher IV, p. 136) durchaus behaupten will, ידיעת מה שההכרח מביא אליו bedeute bei Saadia nicht Erkenntniss dessen, worauf die logische

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