Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
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47 des Bösen mit der Materie ist eine grundlose Voraussetzung. Es ist nicht richtig, dass die Vereinigung mit dem Körper für die Seele absolut ein Uebel sei, dass sie durch die blosse Berührung mit demselben ihre Reinheit einbüsse88). Der Körper ist nicht dasjenige Böse und Unreine, wofür die Gegner ihn ausgeben. Weder ist die Unreinheit des Körpers etwas mit den Sinnen Greifbares, noch ein Postulat der Vernunft. Was aber die Offenbarung betrifft, so erklärt sie für unrein nur gewisse Absonderungen des Körpers, nachdem sie denselben verlassen haben, nicht aber solange sie in ihm befindlich sind. Beruft man sich hingegen auf die sittlichen und physischen Uebel, denen die Seele durch die Vereinignng mit dem Körper ausgesetzt wird, so ist hinsichtlich der Ersteren zu erwidern, dass sie sich dieselben nur durch eigene Schuld zuziehe, indem sie den Absichten Gottes zuwider handelt und ihrer ursprünglichen Bestimmung untreu wird. In Bezug darauf findet der Satz des Predigers (7,29): ״Gott hat die Menschen gerade geschaffen, sie aber suchten weite Berechnungen“, volle Anwendung. Was jedoch die physischen Leiden betrifft, so gilt von einem grossen Theile derselben das Nämliche, was hinsichtlich der sittlichen Uebel bemerkt wurde. Eine beträchtliche Anzahl von Leiden, von denen die Seele heimgesucht wird, hat sie der eigenen Fahrlässigkeit, ihrem naturwidrigen Verhalten zuzuschreiben, da sie von Gott mit Vernunft ausgestattet ist, um sich vor ihnen zu schützen. Handelt es sich aber um Leiden, die sie sich nicht durch eigene Schuld zugezogen, sondern die Gott über sie verhängt hat, so sind dieselben als Läuterungs- und Besserungsmittel zu betrachten, und insofern sie einem heilsamen Zweck dienen, gar nicht Uebel im eigentlichen Sinne zu nennen. 5. Kapitel. Seelenthätigkeiten. Niedere und höhere Erkenntnissfunktionen. Sinnliche Lust und Unlust. Nach diesen Erörterungen, die mehr metaphysische Fragen auf dem Gebiete der Seelenlehre zum Gegenstände haben, wenden wir uns zur empirischen Psychologie Saadias, um seine Anschauungen nach dieser Richtung hin darzustellen, soweit dies nach 88) Damit ist zu vergleichen die Schilderung, welche die lauteren Brüder im Zusammenhang mit der Frage nach dem Zweck der Vereinigung von Seele und Körper von den Fehlern und der bösen Natur des Letzteren entwerfen, Anthropologie S. 131. 4*