Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
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46 und Entwickelung zur Fähigkeit des reinen Schauens sei87). Was man an der Auffassung Saadias als eigenthümlich betrachten könnte, das ist die consequente Durchführung des Gedankens, dass es die sittliche Tugend ist, die gottgefällige Handlung, durch die die Seele dem Ziele der Vollkommenheit entgegengeführt wird, specifisch jüdisch ist der Nachdruck, mit welchem Saadia die Bedeutung und den Werth des praktischen Thuns hervorhebt. Hierdurch unterscheidet sich Saadia von den meisten späteren jüdischen Religionsphilosophen, namentlich auch von Maimuni, die von Aristoteles beeinflusst die dianoetischen Tugenden gegenüber den ethischen in den Vordergrund rücken. Mehrlnteresse beanspruchen die folgenden Ausführungen Saadias, die gegen die Grundanschauung der Gegner gerichtet sind und von der Klarheit und Nüchternheit seines Denkens und von seiner selbständigen, unbefangenen Auffassungsweise Zeugniss ablegen. Die Gegner betrachten es als etwas Selbstverständliches, dass die Materie gleichbedeutend sei mit dem Bösen, und bauen darauf ihre Behauptung auf, dass der Seele durch die Vereinigung mit dem Körper ein Unrecht zugefügt werde. Allein jene Identificirung 87) Vgl. Siebeck a. a. O. I, S. 198. Mit den Worten Saadias S. 99; ראלי נשארה הנפש לבדה לא היתד, פועלת דבר כל שכן שהגרף לא היה פרעל דבר ראם יהיר שניהם עררמים מן המעשים לא היה לבריאתם ענין lassen sich die Aeusserungen der lauteren Brüder vergleichen, Anthropologie, S. 136 und daselbst 121: ״Nach göttlicher Weisheit sollte die Seele nicht leer und unbeschäftigt, noch der Körper bei seiner Empfänglichkeit für die Vollendung im defecten Zustande bleiben״. Dass wir es bei den lauteren Brüdern mit Anhängern einer Emanationstheorie zu thun haben, während Saadia von einer bewussten Schöpferthätigkeit Gottes redet, ändert an der Sache nichts. Nach der Theologie hat die Seele noch einen Gewinn davon, dass sie in die Niederwelt herabsteigt, vorausgesetzt, dass sie sich schnell von dieser Welt trennt, denn sie lernt dadurch den Gegensatz, die Natur des Bösen und ihre eigene Kraft kennen, S. 75 (Plotin IV. 8, 5 in der Mitte): XÄjyvJl Jwv^£גj| jyü•) ^y0! 2^0^} Lg2L3 1ב1ע LyoJöj JotJ ^JLäJI Lo 03LäX*J Lg.il?o »-de. \^Ljb\ 3^*ג. Anstatt Erkenntniss des Dings, ist Erkenntniss des Bösen zu lesen. LgÄc'JxCwl gbedeutet nicht ״mit einer Art von Macht begabt״ (Dieterici), sondern ״durch eine Art freiwilliger Neigung״, entsprechend In dem darauffolgenden Satze ist nicht durch ״vergessen״ wiederzugeben, sondern es steht in der Bedeutung von ״verborgen bleiben״, dem IXafrsv nachgebildet.