Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
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mppPfly — 45 — bleiben, während die Schlacken verflüchtigt und verzehrt werden (Sprüche 17, 3, Zach. 13, 8). Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, erscheint das Erdenleben selber als ein Läuterungsprozess, ein Entwickelungsgang, auf welchem die Seelen der Gerechten und Frommen zu immer höherer Vollkommenheit aufsteigen, während die Seelen der Sünder immer tiefer sinken und an Würde und Reinheit abnehmen. Die Thatsache selbst aber, dass die Seele für sich nach aussen hin nicht thätig sein kann und sich des Körpers wie eines Werkzeugs bedienen muss, hat nichts Befremdendes und Auffallendes., denn die Seele ist hierin dem Feuer zu vergleichen, das gleichfalls eines stofflichen Substrates bedarf um zu wirken, oder den elementaren Bestandtheilen der Dinge, die nur in der Zusammensetzung und Vereinigung die ihnen naturgemässe Thätigkeit entfalten. Fragt aber jemand, warum Gott von vornherein der Seele nicht die Fähigkeit verliehen hat, auch isolirt vom Körper ihre Aufgäbe zu erfüllen und die ihr zugedachte .Stufe der Vollendung zu erreichen, so ist dies eine Fehlfrage und auf eine Linie zu stellen mitv jener anderen, warum der Körper des Menschen nicht von gleicher Wesensbeschaffenheit sei wie die Substanz der Sphären und Engel86). Eine solche Frage bedeutet eigentlich, warum die Seele Seele, der Mensch Mensch sei, denn da es zum innersten Wesen der Seele gehört, nur in Gemeinschaft mit dem Körper wirken zu können, so wäre sie alles Andere, nur nicht Seele, sobald wir uns jene Eigenthümlichkeit hinwegdenken. Betrachten wir die Ansicht Saadias, soweit wir sie in den obigen Ausführungen kennen gelernt haben, so bietet sie im Allgemeinen nicht viel des Charakteristischen und Eigenthümlichen dar. Die Anschauung, dass das Erdenleben der Seele als ein Läuterungsprocess, als eine Zwischenstufe auf dem Wege ihrer Ent- Wickelung zu immer höherer Vollkommenheit zu betrachten sei, ist häufig genug vor und nach Saadia ausgesprochen worden; gleichlautende Aeusserungen sind in solcher Ueberzahl vorhanden, dass wir auf eine Anführung von Parallelen verzichten müssen. Selbst von der Auffassung Plato’s bei Behandlung der in Rede stehenden Frage im Timaeus ist die Anschauung Saadias, obwohl der Ausgangspunkt bei Beiden ein anderer ist, insofern nicht wesentlich verschieden, als wir auch dort die Erklärung antreffen, dass das Erdenleben der Seele eine unumgängliche Vorbedingung für ihre Läuterung 86) Mit diesen Worten weist Saadia auf seine Erörterungen S. 76 hin. 4