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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1898-01-01 · 1898 · page 49

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
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43 ohne Zweifel darum, weil er sich gleichsam auf den Standpunkt der Gegner stellt und ihre Voraussetzungen vor der Hand gelten lässt. Viele nun, sagt Saadia, tragen kein Bedenken, die Verleiblichung als ein der Seele von Gott zugefügtes Unrecht zu erklären, da sie hierdurch in allerlei sittliche und physische Uebel verstrickt werde, von denen sie getrennt vom Körper frei geblieben wäre80), diese Ansicht ist jedoch aus allgemeinen und speciellen Gründen zurückzuweisen. Es ist zuvörderst absurd zu behaupten, dass Gott irgend einem seiner Geschöpfe ein Leid oder Unrecht zufüge, und zwar zunächst schon darum, weil Gott über alle Accidenzen erhaben ist, dann aber auch, weil wir in allem seinem Wirken nur Gerechtigkeit und Güte erkennen, und schliesslich weil die Schöpfung selbst als ein Act seiner Gnade erscheint, und der Zweck derselben nur darin bestehen kann, den Dingen, denen er das Dasein spendet, zu nützen, nicht aber ihnen zu schaden. Es wäre daher ein Widerspruch in sich selbst, wenn wir behaupten wollten, dass Gott irgend etwas ins Dasein rufe, in der Absicht, demselben zu schaden. Abgesehen von diesen Sätzen, deren Richtigkeit im Allgemeinen anerkannt wird81), lässt sich noch im Besonderen darthun, dass auch die Möglichkeit des Unrechtthuns bei Gott ausgeschlossen ist. In den bei Saadia nun folgenden Gründen, wie in der Behandlung der ganzen Frage erkennt man leicht den Einfluss des Kalam, in dessen Schulen das Thema, ob Gott Unrecht thun könne, vielfach erörtert wurde82). Alles Unrecht lässt sich auf eine von drei Ursachen zurückführen: es entspringt entweder der Furcht vor dem, gegen den das Unrecht begangen wird, und gilt demnach der Abwehr eines Uebels, oder es geschieht in gewinnsüchtiger Absicht und hat 80) 'Mit dem Ausdrucke •ואמרו בלבם כי הריע לד״ (Em. das.) ist speciell die Dar- Stellung in der Theologie S. 11 (Plotin, IV. 8. 2) zu vergleichen, 'wäL> ^U.il ,*!*i 0I I {jtlj ^1'־־^־ ***> c^3^ '־־ H V’jj0*־* o! 81) Ueber den Ausdruck אלה המאמרים מכלל שבבומו ספור das. vergl. Magazin 1880, S. 86. 82) Vergl. Frankl a. a. 0. S. 14, wo der Anfang des 20. Capitels aus dem Muhtawi mitgetheilt wird. יי; Dasselbe führt die Ueberschrift ״über die Bedürfnisslosigkeit [Rechtthun] Gottes, die Wurzel seiner Gerechtigkeit und Billigkeit“ und beginnt mit den Worten: ״Wisse, dass nur das Bedürfniss zur Ausübung des Bösen antreiben kann. Beweisen'*wir^nun Gottes Bedürfnisslosigkeit und halten wir an~dem fest, was schon früher über seine Allweisheit gesagt wurde, dann ergiebt sich die Gewissheit, dass Gott nimmer das Böse wählt“.

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